Diskussion über „The Psychology of Totalitarianism“Diskussion von Mattias Desmet

Am 21.10.2022 wies ich auf eine Besprechung des Buches von Mattias Desmet durch Harald Walach hin. Inzwischen gibt es weitere Besprechungen und Kritiken. So entdeckt Norbert Häring Erhellendes als auch Beunruhigendes bei Desmet, wie etwa Verharmlosung und Verschleierung von Manipulationsabsichten.

Weitere Argumente und mehr Material zur Aufarbeitung

Mathias Schrappe sieht gravierende Fehlentwicklungen im Management der Corona-Krise. Die Verstöße gegen wissenschaftliches und evidenzbasiertes Arbeiten sind eklatant.

»Man kennt diese Überschätzung des technisch-linearen Zugangs bei komplexen Sachverhalten gut aus anderen Bereichen in der Gesundheitsversorgung. Linear Durchregieren – haben wir ein Problem mit nosokomialen Wundinfektionen, erlassen wir halt eine Dienstanweisung zur Händedesinfektion. Dass das nicht funktioniert (weil Dienstanweisungen gerne mal ignoriert werden), ist in hunderten Studien klar bewiesen. Erst die Erkenntnis, dass es sich dabei um einen sozialen Prozess handelt, führte weiter, allerdings treten dann die technischen Mittel (inkl. Digitalisierung) in den Hintergrund. Stattdessen führen Rückkopplung, Teambildung, Vorbildfunktion und Vertrauensbildung zu Erfolgen. Aber gerade an diesen Punkten hat es in der Impfkampagne ganz massiv gefehlt.«

Nachzulesen hier und hier im Cicero.

Vielleicht ein Schritt in Richtung Aufarbeitung?

Vor ein paar Tagen wurde hier auf eine Kolumne von Michael Andrick verlinkt.

Er schrieb zu den Folgen und Tiefenwirkungen der Pandemiepolitik und forderte „Aufarbeitung“. Das Thema scheint eine Resonanz hervorgerufen zu haben. Inzwischen sind weitere Beiträge zum Thema erschienen. In der Berliner Zeitung heißt es, dass die Beiträge unter diesem Link erscheinen.

Beiträge sind erwünscht und können an diese Adresse gereichtet werden:

briefe@berliner-zeitung.de

Meinungsfreiheit, Wissenschaftsfreiheit, Unabhängigkeit der Beratung – hängt das alles zusammen?

Meinungsfreiheit und die Bedingungen ihrer Möglichkeit beeinflussen das gesellschaftliche Klima, bilden einen Rahmen für den Stil des Umgangs miteinander, für Vertrauen oder Misstrauen. Damit strahlen sie auf das Klima in Schule und Beratung aus. Was ist sagbar, was ist nicht mehr sagbar im Kollegenkreis, in der Dienstbesprechung? Wann muss ich mich in acht nehmen? Gerade das freie Denken und das freie Meinen sind wichtig in Zeiten, in denen Spannungen und Druck zunehmen, von allen viel und vielleicht auch zu viel gefordert ist. Können Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit durch Drohung einer Kündigung oder Entlassung eingeschränkt werden? Genau darum geht es bei der drohenden Suspendierung des Professors Günter Roth. Hier seine Stellungnahme.

Unterschiedliche Positionen prallen im Alltag aufeinander und sollten ertragen werden können. So ist die Welt: Vielschichtig und kompliziert, selten einfach. Wir machen nun wieder häufiger die Erfahrung, dass Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit eingeschränkt wird, nicht selten von Menschen, die unentwegt Diversität fordern. Mächtige Personen und Institutionen ertragen öfter mal nicht die Verunsicherung durch andere Meinungen. Ähnlich scheint es (manchmal?) Studentinnen und Studenten zu gehen, die fürchten von einem anderen als dem gerade vorgestellten, einfachen, rechten Weg des Lernens abzuweichen oder abweichen zu sollen – vielleicht eine Folge von Kompetenzorientierung und an den Prüfungserfolg angepasstes Lernen?

Vielleicht fürchten sie sich davor, den Weg zum zügigen Bestehen der Prüfung nicht mehr zu schaffen, in einem Abseits der Lebensorganisation landen, wenn sie sich mit den Komplexitäten der Lerngegenstände befassen sollen. Sie scheinen dabei zu Gläubigen zu werden, die sich in der Hoffnung auf vermeintliche Sicherheit und schnelle Einordnung versprechende Urteile zurückgreifen. Ein Weg der Vereinfachung scheint zu sein, das, was einen irritiert und beunruhigt, in die Kategorie „Verschwörung“ einzuordnen. Dann kann das weg.

Diese Gedanken sind entstanden aus einem Vorfall an der Hochschule München, mit Professor Günter Roth als Leidtragendem. Ein Lehrstück wird gewissermaßen daraus, weil sich Günter Roth in einer tiefgründigen Stellungnahme gegen seine Entlassung aus dem Dienst wehrt.
Er ist leider nicht der Einzige, den die Verfolgungen der jüngeren Zeit treffen. So traf es auch Ulrike Guérot (ich weise darauf hin, dass es bei Zeit Campus ein Interview mit einer anderen Tendenz gab). Das furchtbare Gemeinsame dieser Fälle ist, dass die Anschuldigungen ohne Belege daherkommen. Schützen wir die Meinungs- und Wissenschaftsfreiheit, schützen wir die Unabhängigkeit und Freiheit der Berufsausübung.

Wie „traumasensibel“ sind Psychologinnen und Psychologen und ihre Berufsverbände?

Nach Monaten und Jahren einer defacto-Einheitsfront der Medien und der psychosozialen Fachverbände sickern mehr und mehr Berichte an die Öffentlichkeit, die die Unangemessenheit der politischen Pandemiemaßnahmen verdeutlichen. BDP und Gewerkschaften und Einzelpersonen haben mitgemacht. Was „damals“ mindestens ahnbar war, stellt sich heute als wahr heraus: Menschen jeden Alters wurde ihrer sozialen Bezüge beraubt, wer sich den Impfbedrängungen entziehen wollte, musste sich allerheftigste Beleidigungen gefallen lassen (im unten verlinkten Artikel) werden Beispiele genannt). Wir sollten davon ausgehen, dass das Spuren hinterlassen hat – unter Umständen mit traumatisierenden Wirkungen.

Psychologinnen und Psychologen, die ja durchaus sensibel für Traumata sein sollen, stehen vor der Aufgabe, sich damit zu befassen, dass sie womöglich an der Erzeugung von Traumata beteiligt waren. Wenn sie an einer Aufarbeitung nicht interessiert sind und sie nicht in Angriff nehmen, hieße das doch, dass an ihren guten Absichten, wie sie allenthalben bekundet werden, zu zweifeln wäre. „Aufarbeitung“ gehört doch zum Repertoire von Psychologie und Beratung, oder?

Hier geht es zum Artikel des Mitteldeutschen Rundfunks, in dem viele Materialien zum Thema versammelt sind.

Und wieder einmal keine Bitte um Entschuldigung

Sie sind vielmehr die großen Verlierer der Pandemie. Das Virus war viel weniger schädlich für sie als die Kontaktbeschränkungen, der Schulverzicht – und das permanente Pochen auf ihre Solidarität gegenüber den Großeltern, denen sie andernfalls den Tod bringen würden. So stand es 2020 allen Ernstes in einem Strategiepapier des damals CSU-geführten Innenministeriums.

schreibt die Berliner Zeitung

Interessant auch, dass man so tut als habe der Kurs des Ethikrates, der wesentlich darin bestand, den überzogenen Regierungskurs (was schon früh nach Beginn der Pandemie absehbar war) zu legitimieren, nichts mit politischer oder gesellschaftlicher Verantwortung zu tun haben soll. Gefühl- und instinktlos.

Gerade lese ich bei Arno Gruen – aus dem Zusammenhang gerissen – und doch irgendwie passend:

Sie bringen uns alle in Gefahr, weil sie dem Chaos, der Wut und der Leere, die in ihnen ist, nicht ins Gesicht sehen können.

Arno Gruen: Der Wahnsinn der Normalität, 1989, S. 26

Zum selben Thema hier noch ein Kommentar.

Wie soll es besser werden, …

… wenn es keine Aufarbeitung gibt, keine Bitte um Verzeihung. Nur das Weiterso …

Heribert Prantl erinnert an die grenzenlose Kaltschnäuzigkeit … Alles kann wieder so geschehen. Grenzenloser scheint nur die Hinnahmebereitschaft der Bevölkerung, der Medien, der Fachleute, der sog. Fachverbände …

diese Anti-Corona-Maßnahmen waren drastisch, sie waren grundstürzend, sie waren maßlos. Das höchste deutsche Verwaltungsgericht hat das soeben festgestellt. Die Bundesrichter in Leipzig fällten ein klares Urteil: „Das ganztägige und damit auch während der Tagstunden geltende Verbot, die eigene Wohnung zum Verweilen im Freien zur verlassen, war ein schwerer Eingriff in die Grundrechte.“ Die Richter urteilten über eine Einsperrverordnung der Bayerischen Staatsregierung vom 31. März 2020. Sie urteilten über die schärfsten der vielen Verbots- und Kontrollregeln, die es damals, in der ersten Corona-Welle, in Deutschland gab.

Mehr in der Süddeutschen, leider hinter Bezahlschranke

Inzwischen ist der Artikel hier vollständig zu lesen

Nachrichten aus der Bildungsrepublik

Hier funktionierten einige Links nicht. Das ist jetzt behoben.

Trübe ist nicht allein der Himmel, sondern auch er Zustand der Bildungspolitik. In aller Schnelle können hunderte Milliarden für die Aufrüstung mobilisiert werden, bei Personal und Strukturentwicklung für Bildung und Schule – nicht zuletzt um die Fehlgriffe des Digitalisierungswahns zu kompensieren – steht eisern die Null. Das Bündnis für humane Bildung macht den Skandal deutlich.

Die Ergebnisse des IQB-Bildungstrends liefern ein besorgniserregendes Bild. Die negativen Trends
sind erheblich und der Anteil der Viertklässler:innen, die nicht einmal die Mindeststandards errei-
chen, ist zu hoch.

heißt es in einem Fazit (in der Pressemappe) des IQB-Bildungstrends. (IQB = Institut zur Qualitätsentwicklung im Bildungswesen).

Über den geistig-körperlichen Entwicklungsstand der jungen Menschen berichtet Manfred Spitzer

Über Sprachdefizite und Bildschirmzeiten berichtet Ralf Lankau.

Wo stehen wir, wo steht ihr?

Wenn das möglich war, ist alles möglich

Michael Andrick findet Worte (»Bis heute ist da eine Scheu und eine dicht unter meinem Alltagsbewusstsein lauernde Beklemmung, eklig und tagdurchseuchend«), die auch mein Befinden wiedergeben. Wenn auch andere so empfinden, müsste es doch um die Frage gehen: Wie weitermachen? Können wir so weitermachen, als wäre nichts gewesen, als brauchten wir uns nur mal eben zu schütteln? Und dann auf zum nächsten Casus belli?

Wir Bürger müssen erst mal wieder lernen, angstfrei und ergebnisoffen zu diskutieren. Dann kommen die Ideen, wie wir unser Gemeinwesen wieder vertrauenswürdiger machen können, von ganz allein. Ich schreibe jetzt ein kurzes Buch über Spaltung und Versöhnung, um mitzuhelfen.