Was darf noch gesagt werden?

Einen bedenkenswerten Kommentar

kann man im Handelsblatt lesen (Auszug):

Polarisierung, Aggression und Hysterisierung sind die Merkmale dieser Fehlentwicklung. Wer hätte schon gedacht, dass Kriterien der Vernunft auf einmal ebenso eine nachgelagerte Rolle spielen wie Motive der individuellen Freiheit, etwa der Meinungs- und Kunstfreiheit? Oder dass das „Brüderlichkeit“-Gebot der Französischen Revolution wie ein nostalgisches Relikt aus besseren Tagen des Bürgertums erscheint?

Nachdenken über Medien

«Die Zeitungsspalten sind öffentliche Informationsträger. Wenn diejenigen, die sie kontrollieren, sich das Recht herausnehmen, zu bestimmen, was zu welchem Zweck berichtet werden soll, dann kommt der demokratische Prozess zum Erliegen (…) Denn die Zeitung ist im wahrsten Sinne des Wortes die Bibel der Demokratie, das Buch, aus dem heraus ein Volk sein Handeln bestimmt.»

Wenn Menschen nicht mehr wagen, öffentlich ihre Meinung zu äussern, weil sie Angst haben, von der «Öffentlichen Meinung» abzuweichen, dann ist etwas faul an unserer Demokratie. Wenn das Denken «von Panik verkümmert» sei, so formulierte Walter Lippmann, dann hätten die Menschen auch Angst vor Ideen.

Quelle: Infosperber

Blick in die unteren Klassen

Wovon reden wir, wenn wir von den bildungsfernen Schichten reden? Wenn wir etwas von ihnen verstehen, was bleibt übrig, wenn wir damit beschäftigt sind, Schülerinnen und Schüler in die bestehende Ordnung hineinzuprozessieren?

Hier eine kleine Presseschau

Der Stolz der Arbeiterklasse

Das Existenzminimum ist ein Minimum ist ein Minimum

Die Grenzen der Freiheit

Die sozial geformte Individualisierung

Angsterzeugung als Herrschaftsmittel

»Demokratie geht nämlich nicht nur mit einem Versprechen einer gesellschaftlichen Selbstbestimmung einher, sondern auch mit einem Versprechen einer größtmöglichen Freiheit von gesellschaftlicher Angst. Demokratie bedeutet also den Verzicht auf eine der wirksamsten Herrschaftstechniken überhaupt: der systematischen Erzeugung gesellschaftlicher Angst.«

In einem ausführlichen und interessanten Interview stellt der Psychologe Rainer Mausfeld einen Zusammenhang zwischen Neoliberalismus, Angst (-erzeugung), Demokratie und Macht her. Das wirft Fragen und Anreize zum Nachdenken auf, zum Beispiel: Welche Rolle spielt Schule in diesem Prozess, welche Rolle übernimmt Schulpsychologie und -beratung dabei?

Kein Bildungsthema — jedoch von hohem Bildungswert

Feige, hinterhältig, menschenfeindlich, auf jeden Fall undemokratisch und zivilisatorisch niedrig stehend, werden von unseren politischen Leistungsträgern Menschen beschrieben, die einen Anschlag verüben, die sich rücksichtslos durchsetzen und nur ihre eigenen, absurden Ziele verfolgen. Gern werden das offene Visier, der Mut, die Risikobereitschaft, Offenheit, ja Weltoffenheit verlangt − nicht zuletzt von Schülerinnen und Schülern.

Da kommen einem die Tränen, wenn man liest, wie die Regierungsfraktionen ein Grundrecht kassiert haben. Sie haben das Grundrecht, das sie störte, einfach einem ganz anderen Gesetz aufgeschnallt und ihm so die Weihen der Mehrheit gegeben. So kann man natürlich auch die Demokratie in die Tonne kloppen. Nur bitte dann nicht mehr jammern, wenn sich Schüler und andere ganz hinterhältig und feige nur noch für ihren eigenen, persönlichen Vorteil interessieren. Und bitte, bitte, keine moralinen Reden mehr von offener Auseinandersetzung, Mut zur Offenheit und zum Risiko.

Mehr dazu hier und

hier

 

Psychoanalyse und Terrorismus

Radikalisierung als Form der Selbsttherapie

Jenseits der Strategien von Überwachung und Repression − mehr dem Ziel der Entdemokratisierung und Machtsicherung als der Demokratie und Emanzipation dienend − tauchen in Spezialsendungen der Medien gelegentlich Informationen auf, die das Nachdenken anregen. So heute im Deutschlandfunk in dessen Religionssendung.

Die Dschihadisten von heute kommen nicht umsonst vor allem aus den ehemaligen Kolonialländern Frankreich, Großbritannien und Belgien. Und die ehemaligen Kolonialmächte beteiligen sich bis heute an den Kriegen in vielen muslimisch geprägten Regionen. Diese Kontinuität bewirkt, dass die Idee des Krieges viele junge Menschen mobilisiert. Laut der dschihadistischen Theorie führt der Westen seine ‚Kreuzzüge‘ gegen den Islam bis heute fort.

Der Psychoanalytiker und Islamwissenschaftler Fethi Benslama spricht sich gegen ein Konzept der De-Radikalisierung aus. Das hält er für »Gehirnwäsche«. Solche Umerziehungsmaßnahmen, wie sie auch oft in Anti-Gewalt-Maßnahmen hiesiger Art vorkommen dürften, verkennen die tiefen, historisch und psychisch angelegten Verhaltens- und Erlebensweisen. Ernsthafte Arbeit der Persönlichkeits- und Institutionenentwicklung, jenseits der Funktionalitätskonzepte, wie sie heute − leider gerade auch in Schule − verbreitet sind, benötigt einen anderen Rahmen.

Weiterer Literaturhinweis

Hinweis auf Interview mit Arno Gruen

Bildung als Entmündigung

Man staunt – und mag nicht glauben

wie weit die Entmündigung durch Lernen schon fortgeschritten ist. Ministerien, Gewerkschaften, das große Publikum – WIR – nehmen es hin. Wir sind schon so an unsere Wirkungslosigkeit gewöhnt, dass wir die Übergriffe nicht merken, geschweige denn uns dagegen wehren. Von wegen Selbstwirksamkeit. Wir fürchten uns vor unserer eigenen Scham, die uns angesichts unserer Ohnmacht befällt, befallen würde, wenn wir uns denn wehren würden. Das Schweigen erspart uns die Scham – erstmal zumindest. Wenn das dicke Ende gekommen ist, werden wir fragen: Wie konnte das passieren?

wie die modernen online-Lernmodelle Selbstbestimmung unterlaufen

Freihandelsabkommen für Bildung? Darf das wahr werden?

Alles wird zur Ware, auch Bildung, wenn wir uns nicht zu Wort melden und Denkzettel verteilen

Hier war schon oft davon die Rede, dass die Einfluss- und Steuerinteressen der Wirtschaft mehr und mehr von den Bildungsbehörden übernommen werden. Sie sind eine Gefahr für Bildung, die das Individuum stärkt, seine Erkenntnisfähigkeit voranbringt und seine Urteilskraft unterstützt. Nicht zuletzt leidet auch Beratung unter diesen Vereinnahmungen. Beratung in Schule (wie auch in anderen Bereichen der Gesellschaft) ist davon bedroht, zum Gehilfen eines verkürzten Bildungsverständnisses zu werden; teilweise hat der Prozess der Aushöhlung schon begonnen.

Wenig ist im Bewusstsein von Fachleuten und der Öffentlichkeit, dass das Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) der einseitigen Ausrichtung des Lernens an wirtschaftlichen Verwertungsinteressen von Konzernen und der Formung eines marktkonformen Sozialcharakters weiteren Schwung verleihen könnte. Bis hin zu einer Gefährdung der Demokratie. Wer mag, kann sich mit den folgenden Links in das Thema einarbeiten.

Aus der jungenwelt hier und hier, aus dem Tagesspiegel, aus der Zeit, aus einer Artikelsammlung der Süddeutschen, vom Verband für Bildung und Erziehung, von den Netzfrauen.

Wer etwas über den Segen von TTIP erfahren möchte, gebe „ttip bildung“ in seine Suchmaschine ein. Er findet dort eine Reihe von gesponsorten Links.

Für den Widerstand gegen TTIP und seine Anwendung auf Bildung kann es eine Chance sein, wenn die Grünen in Hamburg in eine Koalition mit der SPD einsteigen. Die Grünen hatten sich vor den Wahlen gegen TTIP ausgesprochen. Und brauchen dafür sicherlich viel Rückhalt und Unterstützung aus Schule, Hochschule und Bevölkerung, damit sie nicht schwach werden … Auch das ist ein Grund, sich mit dem Thema zu beschäftigen, mit Freunden, Nachbarn, Kollegen und Politikerinnen ins Gespräch zu kommen.

Extremismus der Mitte

Psychologische und psychische Aspekte des Rechtsextremismus

Fremdenfeindlichkeit, Aggressionsbereitschaft setzen auf „bügerlicher Kälte“ auf. Die Mitte der Gesellschaft ist kein Gütesiegel. In einem lesenswerten Aufsatz setzt sich Götz Eisenberg mit der Innenwelt der PEGIDA uns ihren Sympathisanten auseinander.