Polarisierende Wirkung der Pandemie auf junge Generation

Kontexte der Schulpsychologie und Schule

Vielleicht interessiert es jemanden: Christoph Butterwegge hat eine neues Buch geschrieben: Die polarisierende Pandemie. Deutschland nach Corona. Weinheim: Beltz juventa, 250 S., 19,95 Euro. Vielleicht eine Hilfe dabei, Lebenssituationen besser in die Beratungsarbeit einfließen zu lassen. Die Breite und Tiefe der Pandemie-Wirkungen ist immens. Vielleicht ist das Buch auch eine Hilfe dabei, berufs- und allgemeinpolitische Forderungen besser zu verknüpfen. Und den Humanisierungsanspruch der Psychologinnen und Psychologen politischer zu fassen.

„Reinlesen“ kann man hier. Zu den sozialpolitischen Verwerfungen, Einkommensgewinnen und -verlusten schreibt Butterwegge hier. Und über den Aspekt der Gesundheitsversorgung kann man hier etwas von ihm lesen.

Mit dem Transhumanismus das widerspenstige Subjekt überwinden?

Kaum jemand möchte glauben, dass Psychologie und Pädagogik zu einer Maschinerie der Enthumanisierung werden könnten. Eher sind sie doch für viele Menschen geradezu Kern von Humanität und Schlüssel zu einer besseren Welt. Auf der Agenda der Weltverbesserung standen Schule und Erziehung immer weit oben, wie zum Beispiel Heinz-Elmar Tenorth beschreibt (1). Bei allen Unterschieden in den Ansätzen von Therapie und Beratung ist die Idee einer humanistischen Psychologie ein gemeinsamer Nenner vieler Psychologinnen und Psychologen.

Andererseits: Die Tendenzen und Trends zu einer »totalen Institution« (Goffman, kurze Erläuterung hier), einer vollständigen Vereinnahmung des Individuums durch Institutionen, bis hin zur „meta-Institution“ einer formierten Gesellschaft, die mit Hilfe einer von allen geteilten und durchgesetzten Ideologie Individualität und Spontaneität auslöscht. (Wir wollen freiwillig, was wir wollen sollen).

Julia Weiss befasst sich mit mit der Zukunft der Seele.

Weiterlesen „Mit dem Transhumanismus das widerspenstige Subjekt überwinden?“

Wovon reden wir, wovon rede ich , wenn wir reden?

Ich verlöre mich in allgemeinen politischen Reden und noch dazu mit einer Neigung zu Querdenkerischem, ist eine Kritik an diesem Blog, die mir zu Ohren gekommen ist. Hm. Was immer das sein mag … ich hänge noch dem Begriff nach, der besagt, dass Geradeausdenken und das willige Befolgen vor- und ausgegebener Linien nicht unbedingt gute Resultate liefert. In meinen letzten Berufsjahren gehörte ich einer Arbeitsgruppe an, die sich Querdenker nannte. Aufgabe: Neukonzipierung schulpsychologischer und -beraterischer Hilfe. Keine Verschwörung! Alles offen, sogar verzahnt mit Leitungen. Das, was das „böse“ Querdenken ist, will ich hier nicht erörtern. Sondern mich um den Teil der Kritik kümmern, der bemängelt, dass die Website zu einem allgemeinpolitischen Portal geworden (verkümmert?, verkommen?) sei. Noch schlimmer: ich mache die Schulpsychologie schlecht, schreibe nicht über positive Entwicklungen der Schulpsychologie, obwohl sie immer besser geworden sei. Mit dem Buch die Beugsamen soll ich angeblich den Beleg dafür geliefert haben.

Das gibt zu denken. Im Buch spielt die Schulpsychologie praktisch keine Rolle (mit Ausnahme eines Hinweises auf den Landesverband Schulpsychologie, den ich dafür lobe, dass er sich gemeinsam mit dem Kinderschutzbund für eine bessere Beachtung der Bedürfnisse von Kindern in der Pandemie einsetzte).


Richtig ist allerdings, dass auf meiner Website wenig von unmittelbaren schulpsychologischen Praxiserfahrungen die Rede ist, noch dazu von solchen, die Kolleginnen und Kollegen gleich anwenden könnten. Ebenso ist wenig davon zu lesen, wie sich Schulpsychologie im Behördenalltag realisiert und materialisiert, wie unabhängig oder abhängig sie agiert und wie bedeutsam für die Praxisgestaltung die Bindung an politisch rationalisierte Behördenpraxis ist. Oder welche Rolle die Ausbildung, die Notwendigkeit der Einkommens- und Existenzsicherung der Beschäftigten spielt. Damit meine ich nicht nur die Existenzsicherung in Euro und Cent, sondern auch das psychisch-seelische Überleben im Falle von Diskrepanzen und Konflikten in Teams und mit Vorgesetzten.


Davon ist also kaum die Rede. Wie das kommt? Ganz einfach: Als jemand, der seit vielen Jahren nicht mehr praktisch im Feld (oh je, was das heutzutage für Assoziationen auslöst) aktiv ist, geht mir der Stoff aus. Und von Kolleginnen und Kollegen kommt dazu auch nicht viel und nichts, worüber sich schreiben ließe, ohne dass durch beschriebene Sachverhalte die Quelle nicht erkennbar würde.


Da bleibt nur noch Gelegenheit für einige Posts, die für mich Kontexte der Schulpsychologie heißen. Und meines Erachtens zweifellos eine Wirkung auf Schulpsychologie haben: Seien es die großen politischen Leitlinien, mit den impliziten oder expliziten Orientierungen auf das, was geht und was nicht geht, auf die Funktion, auch der Schulpsychologie, in Staat und Gesellschaft, auf die Wandlungsprozesse des Verständnisses von Psychologie, wem sie nutzt und wem weniger.


Subjektorientierte und kritische (Schul-) Psychologie haben einen schweren Stand. Reflexion und Metareflexion (schul-) psychologischer Entwicklungen ebenso. Manchmal habe ich den Eindruck, dass das Vokabular dafür fehlt, also Zustände auch kaum mehr benannt und gedacht werden können. Im günstigen Fall ist es Unbehagen, das manche Menschen verspüren – und sie sind vielleicht für meine Kontexte der Schulpsychologie ansprechbar. Eine die Verhältnisse schönschreibende Website braucht es nicht, davon gibt es schon seit Langem einige. Nach meinem Geschmack wird zu wenig über das Unbehagen, über Konflikte, ihre Ursprünge, und –ja – auch über das Leiden an und in der Berufspraxis gesprochen. Dafür brauchen wir einen Debattenraum. Dass er hier sein kann, will ich nicht behaupten.


Wenn ich an Online-Foren des Austauschs teilgenommen habe, schimmert das schwer zu fassende und fast Unaussprechliche ab und an durch – wo wandert das hin? Ist es weg und alles wieder gut? Brauchen wir nicht auch einen Raum, in dem sich Unaussprechliches, wenn gewünscht, anonymisiert, artikulieren kann?

Meinungsvielfalt sichern

Die öffentlich-rechtlichen Sendeanstalten haben einen guten Ruf – oder sollte ich besser schreiben: hatten?

Zwar ließen sich auch schon in den Zeiten vor Corona starke Versuche des Framing und der Manipulaton feststellen. Es fanden sich jedoch immer auch einige Perlen – weniger in den Nachrichten- und Informationssendungen, sondern in Features, Magazinen usw. Mit Corona nahm allerdings auch die Zahl dieser Perlen ab.

Neue Website für Meinungsvielfalt in den öffentlich-rechtlichen Medien

Wer meinte, dass da etwas schiefläuft, kann sich nun bestätigt sehen. Auf einer neuen Website schreiben Mitarbeiter über ihre Erfahrungen mit ihrem Rundfunk und den Direktiven ihrer Vorgesetzten. Übrigens kommt mir das nicht alles unbekannt vor und überraschend. Meine These: Ein lenkendes Framing, die Abwehr von Debatte und Vielfalt, die für ein Ernstnehmen des Bürgers und der Bürgerin essenziell sind, gibt es auch in Behörden und Schulbehörden. Ein kleiner Auszug aus den zahlreichen Statements der Rundfunkmitarbeiter (m/w/d):

In Fortbildungen werden uns gebetsmühlenartig immer wieder die dazu erforderlichen Formeln eingedrillt, und dabei wird mit unserer Angst, Scham und Abhängigkeit ge­ar­beitet. Es ist, als hätte man ständig eine Knute im Genick.

Ach ja. Tag der Pressefreiheit heute.

Ergänzung: Wer bisher meinte und noch immer meint, mit den öffentlich-rechtlichen Medien sei alles in Ordnung, möge auch die Kategorien News und Reaktionen lesen.

Wissenschaftlergruppe stützt Christof Kuhbandner

Das Thema Christof Kuhbandner und Unstatistik des Monats hatte ich hier vor einigen Wochen erwähnt. Mein Fazit als statistischer Laie war, dass ihm zu unrecht – unter anderem vom (bis dahin) renommierten „Unstatistik-Institut“ und von Professor Gigerenzer – vorgeworfen wurde, sich wissenschaftlich inkompetent geäußert zu haben.

Kuhbandner, der schon recht früh als Professor für Psychologie auf statistische Ungereimtheiten in der Pandemieerforschung hingewiesen hatte, hatte nach neuen Datenerhebungen und -auswertungen den Verdacht geäußert, dass es im Zusammenhang mit Impfungen gegen das neue Virus zu vermehrten Todesfällen gekommen sein könnte. Er erntete einen ungeheuerlichen Shitstorm für seine begründeten Warnungen.

Nun hat sich eine größere Gruppe von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern an die Autoren der „Unstatistik des Monats“ gewandt und deren Verriss kritisiert und, wie ich finde, widerlegt. Alles Weitere lässt sich in ihrer äußerst sachlich gehaltenen Erklärung nachlesen.

Wir sollten darauf achten, wie sich die großen psychologischen Fachverbände in dieser Frage verhalten. Das könnte helfen, zu erkennen wie sie es mit ihren ethischen Leitlinien und mit der Wissenschaftlichkei, auf die sie sich allenthalben berufen, halten.

Hinweise auf Impfnebenwirkungen

In der Berliner Zeitung gab es ein interessantes Interview mit dem Arzt Erich Freisleben zu Impfnebenwirkungen, zu einer eventuellen Impfpflicht und – was heute sehr selten zu lesen und zu hören ist – zu den gesellschaftlich-politischen Verirrungen des Pandemiemanagements.

Der aus heutiger Sicht menschenfeindliche Sozialdarwinismus war in den Köpfen von hoch angesehenen Wissenschaftlern entstanden und schon vor 1933 als Theorie im Mainstream verankert. Ärzte und Juristen fühlten sich deshalb damals legitimiert, eine führende Rolle in der NS-Programmatik einzunehmen. Aus dieser Kenntnis verbieten sich Ausnahmetatbestände bezüglich der Selbstbestimmung und der körperlichen Unversehrtheit. Wer heute meint, das Grundgesetz dahingehend aufweichen zu dürfen, hat die historischen Lehren aus der NS-Zeit nicht verstanden.

Harald Welzer ist besorgt wegen der Leichtigkeit, mit der die Kriegsrhetorik Fahrt aufnimmt

Harald Welzer stellt sich gegen die Kriegsrhetorik. Er wundert sich über das Tempo, mit dem sich Sprache von Politikern in todbringende Begrifflichkeiten verkehrt. Und dann die propagierten Rollenbilder: Männer, die sich mannhaft die Tränen aus den Augen wischen und an die Front gehen. Welzer „wagt“ den Vergleich mit 1914, als die Kriegseuphorie überschwappte. („Wagt“ deshalb in Anführungszeichen, weil es ein Trend geworden ist, Vergleiche mit geschichtlichen Ereignissen zu verurteilen – was ein Versuch ist, uns von der Geschichte abzuschneiden und uns dümmer zu machen).

Harald Welzer schrieb 2006 das Buch: Täter – wie aus ganz normalen Menschen Massenmörder werden, erschienen bei Fischer. Ich habe es für mein Buch Die Beugsamen (siehe rechte Spalte), mit Gewinn verwendet.

Das Mitgefühl für Kinder und arme Familien hält sich in Grenzen

Strukturell überflüssig Gemachte fallen in einem gemeinen Wesen nach unten durch

Wer hat sie eigentlich auf der Rechnung (?) als Menschen, die doch, wie wir meinen, eine Würde haben? Spielen sie in den staatlichen Planungen und im Common sense eine Rolle? Das geschönte Narrativ der letzten zwanzig, dreißig Jahre, dass jeder für sich Verantwortung trage, die sogenannte Selbstveratnwortung, war einer der Türöffner zu einer neuen Wertewelt, die alles möglich machte – bis zum Ausschluss. Die Corona-Maßnahmen warfen ein Schlaglicht auf diese Lage. Hier mal bitte kurz reinschauen.

Passend dazu dieser Bericht

Kritische Stimmen der Psychologie in der Pandemie

Auf dieser Website findet sich eine Reihe von Lesehinweisen, die besonders für Menschen mit psychologischen Interessen lohnend sein könnten.

übernommen von der Websiite Psychologinnen für Menschlichkeit und Selbstbestimmung
Hier ein Portal, das weitere Links zusammengestellt hat

Die Beugsamen

Ich habe ein neues Büchlein veröffentlicht. (Hier geht es zur e-book-Version) In ihm fasse ich meine Überlegungen zu Fragen der Ethik in der Psychologie zusammen. Angeschoben war das von der Stellungnahme des BDP zur Rolle der Psychologie in der Pandemie. Mit dieser Stellungnahme befasse ich mich auch im Buch. Die weitere, auch historische Betrachtung, zeigt aber, dass die Nähe zur Macht bei Psychologen eine lange Tradition hat – und ihre Ethik und Moral davon nicht unberührt bleibt.