Posttraumatische Belastungsstörungen immer eine Geißel

Primäre Prävention stärken

von Jürgen Mietz

Unfälle, Katastrophen, Amoktaten ziehen bei den Opfern nicht selten so genannte posttraumatische Belastungsstörungen nach sich. Wer sie hat, kann für lange Zeit oder für immer aus dem Leben geworfen sein. Nicht umsonst ist in der Akutversorgung und in der Nachsorge bei Katastrophen in der Schule das Erkennen  solcher Belastungsstörungen eine besondere Aufgabe. Es geht sowohl um die Sensibilität für diese Problematik – Lehrer und Lehrerinnen, Schulpsychologen, Eltern brauchen sie – als auch um die langfristige Behandlung der an den Folgen Leidenden durch Experten. Nun treten posttraumatische Belastungsstörungen von ganz anderer Seite ins Bewusstsein der Öffentlichkeit: Immer mehr Soldaten kehren mit dieser Diagnose aus Kampfeinsätzen in Afghanistan zurück.

„Die Anzahl der Soldaten, die seelisch verwundet aus Afghanistan zurückkehren, wächst. 153 Fälle von posttraumatischer Belastungsstörung hat das Verteidigungsministerium im ersten Halbjahr 2009 unter den Afghanistanrückkehrern gezählt. Im ganzen Jahr 2008 waren es 226. Hochgerechnet auf das Jahr, entspricht der Wert des ersten Halbjahrs 2009 einem Anstieg von 35 Prozen,“ berichtet die taz am 1.8.2009. Posttraumatische Belastungsstörungen in der Bundeswehr

Dass Menschen an diesen Störungen auch in Zukunft werden leiden müssen, wird sich wohl nicht hundertprozentig ausschließen lassen. Es bleibt jedoch die Frage, ob sich die Risiken nicht verkleinern ließen. Etwa durch eine stärkere Betonung der zivilen, friedlichen und Eigenentwicklung fördernden Elemente in der „Verteidigungs“-, Außen- und Weltpolitik. Und bei aller Überzeugtheit für das militärische Agieren in der Welt, könnte eine größere Bewusstheit für das, was es für die Opfer von Gewalt – dazu gehören auch die „eigenen“ Leute – bedeuten kann.

Dazu könnte auch gehören, die Bundeswehr nicht nur als Bildungsakteur und Förderer der Zivilgesellschaft zu sehen, wie es in der Kooperationsvereinbarung zwischen Bundeswehr und Schulministerium NRW geschieht.

Unsere Schulen in Nordrhein-Westfalen sind offen. Ich freue mich sehr, dass wir die gute Zusammenarbeit unserer Schulen mit den Jugendoffizieren durch diese Kooperationsvereinbarungen stärken, so ihre anerkennende Feststellung. Ob die NRW-Schulministerin wusste, dass Kriegseinsätze, Kampfeinsätze, oder wie immer man diese Handlungen nennen will, posttraumatische Belastungsstörungen zur Folge haben können und das in vermutlicher größerer Zahl als sie in und um Schule auftreten? Die Außen- und Weltpolitik Deutschlands und darin den Einsatz der Bundeswehr kritisch zu sehen, sollte eine wichtige Leitlinie der Schulpolitik, der Schulen und der Lehrer und Schüler sein.

Das Werben um Akzeptanz der Bundeswehr in Schulen und die Aufgeschlossenheit der Politik für das Militärische in Schule könnte am Ende die Zahl der Menschen mit postraumatischen Belastungen mehr in die Höhe treiben als die Amoktäter, die sich womöglich nicht nur im Computerspiel ihre Vorbilder suchen, sondern im politisch geförderten und gewollten Soldatentum, mit allen es auch „auszeichnenden“ Charaktereigenschaften.

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