Gute Beratung zwischen Hybris und Bescheidenheit

BeraterInnen über sich, ihre Arbeit und ihren Anspruch an Professionalität, herausgegeben von Helmut Hallier, im Leutner-Verlag, 2013

Ein Buch, welches einen anderen Blick ins Beratungsgeschehen ermöglicht. Einen Blick, jenseits der mehr oder weniger angepriesenen Trainings, Ausbildungen und wohlfeilen Selbstdarstellungen. Die Artikel sind wohltuend persönlich und selbstkritisch. Sie räumen mit der Vorstellung auf, gute Beratung sei durch Beherrschung von Techniken zu bewerkstelligen. Der angehende und der erfahrene  Berater erfährt, dass es wohl nicht zuletzt Ängste,  Scheiternserfahrungen, gekränkter Narzissmus sind, die – vermittelt über Stufen der Reflexion, für sich allein und mit anderen – ein Band zum Klienten, zum Ratsuchenden und zu erhellenden Schlussfolgerungen knüpfen können. Hier wird eine Grundlage der Empathie gelegt, die helfen kann, Verunsicherung, Scham und Angst zu überwinden. Diese Haltung ist geeignet, Integrität zu schaffen – und damit einen Gegenpol zu den verführerischen Versprechungen, die nicht selten in der Beratungsbranche zu hören sind. Mit den Artikeln dieses Buches wird es einem leichter gemacht, sich vorzustellen, was es mit dem Subjekt und der Subjektiviät auf sich haben könnte – bei sich selbst und bei anderen.

Wer das Glück hatte, bei einem der Autoren Beratung oder Supervision zu erhalten, hat noch einen Zusatznutzen. Der besteht darin – mit einiger Zeitverzögerung – die eigene Wahrnehmung und Erinnerung der Wahrnehmung des Supervisors gegenüberzustellen zu können – und bei diesem Anfälle von Kleinmut zu erkennen. So geschehen im vorliegenden Fall bei Harald Pühl. Das müsste nicht unbedingt der öffentlichen Rede wert sein, wenn nicht aus seiner Arbeit mit einer Gruppe von Schulpsychologinnen und und Schulpsychologen eine Grundlegung der Schulpsychologie oder doch ein wichtiger Baustein der Schulpsychologie in NRW entstanden wäre. Gut, dass Harald Pühl durchhielt. Und gut, dass wir durchgehalten haben, kann man da erleichtert seufzen. So wurde aus der beherzten Offenlegung einer  Innensicht die Würdigung eines nicht immer leichten und rückschlagfreien, auch institutionellen Entwicklungsprozesses – hier derr Schulpsychologie in NRW. Deshalb sei dieser Artikel hier besonders erwähnt: Über das Verhältnis von Scheitern und Gelingen, von Harald Pühl.

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