Amokläufe nicht unvorhersehbar

Langzeitstudie von Klaus Hurrelmann vorgestellt

Dass Amokläufe nicht aus dem Nichts auftauchen – diese Vermutung wurde an dieser Stelle schon öfter angestellt. Nun hat ein Forscher, Peter Langman, seine Durchsicht von Amokläufen aus 20 Jahren vorgestellt. Er will drei Hauptgruppen ausgemacht haben: Psychopathen mit einem extrem ausgeprägten Narzissmus, psychotische Täter mit Wahnvorstellungen und traumatisierte Amokläufer mit Gewalt- oder Missbrauchserfahrungen (laut taz vom 10.102009). Fraglich ist, ob diese Tätergruppen so eindeutig voneinander abzugrenzen sind. Und auf welch theoretischer Grundlage das geschieht.

Es ist kaum anzunehmen, dass von einem genetischen Defekt auszugehen ist, sondern von Bindungsstörungen, die sich im Stoffwechsel- und Hormonsystem niederschlagen. Kränkungs-, Zurückweisungs- und Frustrationserfahrungen können, sofern sie nur „ausreichend“ auf Dauer gestellt sind, „körperliche“ Spuren hinterlassen. In diesem Zusammenhang sind die Veröffentlichungen von Joachim Bauer zu erwähnen. Hurrelmann und Langman gehen davon aus, dass Amokereignisse in den letzten fünf Jahren deutlich zugenommen haben.

Die pädagogisch-psychologische Positionierungsnotwendigkeit bleibt also auf der Tagesordnung. Bleibt diese Positionierung auf der Strecke – und das ist bei der gegenwärtigen Bildungs- und Gesellschaftspolitik zu befürchten – bleibt die viel berufene Aufmerksamkeit und Achtsamkeit auf das Auffinden möglicher Täter beschränkt und endet im Risiko einer Verdächtigungskultur

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