Studien, Medien, Interpretationen

Ungeimpfte sind für Dreiviertel aller … verantwortlich

So oder so ähnlich ging es vor ein paar Tagen durch den „Blätterwald“. Das hörte sich alles sehr überzeugt nach der Parole an: Wir haben die Täter!

»Die Ungeimpften treiben derzeit die Pandemie an. Das hat Auswirkungen auf die Massnahmen zur Viruseindämmung.« NZZ

»Dabei kommen sie zu dem Ergebnis, dass es tatsächlich maßgeblich die Ungeimpften sind, die die Infektionsdynamik in Deutschland vorantreiben.« Focus in Zusammenarbeit mit Spektrum

Der Spektrum Artikel ist identisch mit dem Focus Artikel

»Das heißt: Ungeimpfte sind tatsächlich die Treiber der Pandemie. Aber auch Geimpfte tragen zu einem gewissen Teil am derzeitigen Infektionsgeschehen bei.« (Kölner Express)

Da die Studie, veröffentlicht von der Humboldt-Universität Berlin und vom Integrative Research Institute for the Life Sciences möglicherweise für die Rechtfertigung der Bundesnotbremse durch das Verfassungsgericht und für die mediale Unterfütterung eine Rolle gespielt hat (und zumindest zu seiner „Erzählung“ passt), habe ich sie mir einmal angeschaut. Die Formeln im Hauptteil, die methodischen Grundlagen kann ich nicht beurteilen, zumal der Originaltext in Englisch erschien. (Das ist heute üblich. Klar. Aber für den mündigen interessierten Bürger und die mündige interessierte Bürgerin wäre es doch schön, er ließe sich auf Deutsch lesen. Barrierefreiheit ist eine gute Idee.)

Ich habe mich auf das Lesen des Abschnitts „Diskussion und Schlussfolgerungen“ beschränkt und mir die Übersetzung von deepl.com machen lassen. Die Autoren der Studie selbst weisen auf Grenzen der Studie hin, die natürlich nicht das Hauptergebnis der überwiegenden Nutzens der Impfung infragestellen, aber dem Leser doch eine Relativierung ermöglichen würden :

»modellbasierter Rahmen«

»große Anzahl von Parametern, die auf Basis der verfügbaren verfügbaren Daten geschätzt werden müssen«

»Dazu gehören sowohl epidemiologische Daten als auch die Kontaktdaten aus der POLYMOD-Studie, die inzwischen schon über 15 Jahre alt«

»potenziellen Überschätzung der Wirksamkeit des Impfstoffs« (fehlende Meldung bei leichten Symptomen. Untererfassung)

Annahme einer »homogenen Durchmischung« zwischen Geimpften und Ungeimpften, was aber fraglich sei

»keine psychologischen oder soziokulturellen Folgen solcher Maßnahmen oder Empfehlungen berücksichtigen kann«

»Darüber hinaus betonen wir, dass unsere Ergebnisse Schätzungen sind, die für den vergleichsweise kurzen Zeitraum zwischen dem 11. Oktober 2021 und 7. November 2021«

»Da die Wirksamkeit des Impfstoffs gegen die Infektion mit der Zeit nach der letzten Dosis abnimmt, wird der Beitrag der geimpften Bevölkerung [zur Impfwirksamkeit, J.M.] also in Zukunft abnehmen«

Die medialen Deformierungen sind ernüchternd

Bis auf Focus/Spektrum, die die Modellierung erwähnen, finden sich in den zahlreichen Medien, die die Studien verwendeten, keines, das sich mit den Grenzen und Einschränkungen, die die Autoren nennen, befasst. Letztlich haben die Medien die Überschrift (Germany’s current COVID-19 crisis is mainly driven by the unvaccinated) übernommen. Die ist knallig und täuscht eine Sicherheit und Exaktheit vor, die die Studie gar nicht bietet. Wem nutzt das? Natürlich ergibt sich die Frage, warum die Forscher (oder war’s die Pressestelle?) diesen Titel wählten.

Es ist ernüchternd, zu sehen, dass die Medien, denen man vertrauen möchte, den Inhalt einer Botschaft nicht überprüfen.

Fragen jenseits der Impfwirksamkeit

Es geht nicht darum, eine Impfwirksamkeit im Grundsatzt zu leugnen. Sondern darum, sie ins Verhältnis zu setzen zu anderen Parametern und Risiken, wie zum Beispiel: Welche Folgen hat es, wenn alle 4 bis 6 Monate „nachgeimpft“ werden müsste? Wie würde das Immunsystem damit zurechtkommen? Könnte es sein, dass mit jeder Verabreichung von Impfstoff das körpereigene Abwehrsystem geschwächt würde? Was bedeutet das für junge Menschen? Das führt zur nächsten Frage, die sich nicht mit der (wenn auch nachlassenden) Wirksamkeit der rna-Impfstoffe beantworten lässt: Warum wurde kein klassischer Impfstoff entwickelt bzw. vorhandene nicht zugelassen, wenn doch ein Großteil der Ungeimpften der neuen Technologie nicht traut und diese bis vor kurzem noch als gentherapeutische Behandlung galt? (In den Kommentaren zum Artikel eine interessante Debatte) Warum wurden Medikamente für eine Covid 19 Behandlung nicht geprüft und zugelassen?

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