Kooperatives Lernen in der Systemfalle?

Es ist die Politik – oder der Zwang der Verhältnisse

Gerade fand ich einen älteren Artikel auf Bildungsklick. Zwanzig Jahre Kooperatives Lernen nach dem Konzept von Norm Green wurden gefeiert. Der Bericht von Brigitte Schumann zeigt, wie mit viel Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und vielen anderen ein Versuch der Humanisierung allmählich unter die Räder zu geraten droht. Vielleicht ist er dort auch schon gelandet.

Seinerzeit schien das Kooperative Lernen wie gemacht für den pädaogischen Erneuerungsbedarf und -willen, der nicht wenige Lehrer und Lehrerinnen ergriffen hatte. Die Bertelsmannisierung der Schule schien sogar einen „offiziellen“, genehmigten Rahmen für Neues zu schaffen. Wer wollte, konnte schon damals sehen, dass ein idealistischer Überschuss die reformerische Hand führte. Seine Kehrseite war die Entpolitisertheit gegenüber den Zielen und Zwecken der Schule im Allgemeinen und der bertelsmannschen Konzeption im Speziellen.

Es sind deren Regeln, Stellgrößen etc. die den pädagogischen „Spaß“ verderben und gegen den die Engagierten so unverdrossen, manchmal wohl auch bis zur Erschöpfung und Resignation anarbeiten − weitgehend entpolitisiert, wie es schon seit den 20 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Tradition ist. Das wäre ein anderes Kapitel. Allerdings: wer von der deutschen Version des Neoliberalismus und seinem Wirken auf Schule nicht reden will, sollte von der pädagogischen Erneuerung durch Kooperatives Lernen schweigen. Oder von Inklusion. Oder von Kompetenzorientierung. Oder …

Brigitte Schumann fordert zurecht einen „bildungspolitischen Transformationswillen“ von einem Ministeriumsvertreter − sollte dieser Wille aber nicht auch von den Beschäftigten gefordert werden? Einschließlich der Analyse dessen, was den Zwang der Verhältnisse ausmacht?