ReBBz erneuern, Inklusion vom Kopf auf die Beine stellen

Eine schöne Überraschung

Dass die Praxis der Inklusion und der ReBBz (Regionale Bildungs- und Beratungszentren) in Hamburg äußerst fragwürdig ist, pfeifen die Spatzen von den Dächern. Das wurde auf dieser Seite schon oft festgestellt. Die Hermetik aus Angst, Ohnmacht, Laufenlassen bei den Beschäftigten und aus entschlossenem Durchsteuerungswillen bei Schulsenator Rabe hat jedoch bisher eine offene Debatte verhindert.  Nun gibt es – endlich – möchte man sagen, eine Wortmeldung, die Bewegung in die erstarrten und hoffnungslosen Verhältnissen bringen könnte – vorausgesetzt, die Lehrer/innen und Mitarbeiter/innen in den ReBBz ziehen mit. 

Zu Wort gemeldet hat sich der VIHS, Verband Integration an Hamburger Schulen e.V.

Unter anderem fordert der Verband, dass die Beratungsabteilungen mit der Logik steuernder Funktionen und einer quasi-Vorgesetztenfunktion zu brechen hätten. Nicht zuletzt ist es diese steuernde Funktion, die – jedem professionellen Beratungsverständnis von ergebnisoffener, verschwiegener Beratung Hohn sprechend – schon auf Personalversammlungen im Vorfeld der Gründung der ReBBz Kritik der Berater/innen auf sich gezogen hatte.

Der Forderungskatalog des Verbands wird von ihm selbst nicht als „fertig“ verstanden. Der Beratungsbegriff und die Adressaten von Beratung können sicherlich noch präziser gefasst werden. Gerade deshalb sollten sich Schulpsycholog/inn/en und professionelle Berater/innen an der Vervollständigungsarbeit beteiligen.

 

 

Schulpolitik als Inszenierung – der Bürger als Showgast

Senator Ties Rabe kritisiert in der „Zeit“ vom 18.4.2013 das neue Buch von Richard David Precht. Von dem der Welt Kritiker schreibt, dass es auf keinen Fall hätte geschrieben werden sollen.

Sofakritiker schimpft Ties Rabe ihn. Das erinnert an den Genießer in der Etappe, der den Krieg in entspannter Lage verfolgt, während der Kämpfer und Held sich an der Front schlägt. Hui. Da geht es aber zur Sache. Rabe bedauert, dass Schulpolitik nur allzu oft ein Tummelfeld von Hysterikern und Vereinfachern sei. Viel Glaube, wenig Vernunft, konstatiert der sich empört zeigende Senator. „Und selbst?“ möchte man einwerfen. Keine Neigung zu Vereinfachungen in der Schulpolitik?

Zehn Tage später lesen wir im Abendblatt, dass er sich in einer Kontroverse mit 67 Schulleitern geschlagen habe („es redete nur einer: Schulsenator Ties Rabe (SPD)“). Diese Führungskraft und ihren Gestaltungswillen habe schon andere zu spüren bekommen. Vereinfachen durch Ignorieren, ganz unhysterisch. Was soll eine Versammlung, wenn es gar nicht um Dialog geht, sondern um  Verkündung?

Als betroffener Zuschauer wird man das Gefühl nicht los, dass sich hier zwei Streithähne beharken. Bildung, sagen wir besser Schulpolitik, als Bühne für Show und Selbstinszenierung. Zwei Menschen, die womöglich gar nicht so verschieden sind. In ihrer Eitelkeit unfähig zum Dialog und zur gemeinsamen Entwicklung mit anderen. Und beide biegen ab und untertunneln, wenn es in die Mühe der Ebene geht: Was ist uns Bildung wert, geht es um „Employabilty“, Schuldenbremse oder Emanzipation? Was sind die Kriterien guter Schule und guter Bildung? Da sind sie womöglich schon bei der nächsten Show. Wer das liest und dann das fragt doch, wie seriös mit einem umgegangen wird, und bei welcher Inszenierung er Zuschauer ist. Wir wissen ja: Es gibt eine NDR-Fußball-Show, eine Champions-League-Show. Wir sehen uns. In der Schul-Show. Bis dann.