Inklusion durch Sonderpädagogik?

Brigtte Schumann setzt sich weiter mit dem RTI-Konzept (Response to Intervention) auseinander. Hier zwei Zitate aus ihrem neuesten Artikel:

Anstatt sich zu fragen, mit welchen pädagogischen Maßnahmen die soziale Teilhabe aller Kinder gesichert werden kann, stellen Lehrerinnen und Lehrer die Mitgliedschaft von sog. Risikokindern im Klassenzimmer in Frage. Da die Interventionen als rigide durchgeführte Instruktionen in der Regel außerhalb des Klassenzimmers ablaufen, ist die Botschaft für alle Beteiligten klar: Der Klassenraum ist eine behindertenfreie Zone. Die Stufen innerhalb von RTI wirken so als Teile eines stigmatisierenden Etikettierungsprozesses, auch wenn es offiziell um präventive Förderung geht.

Inklusive Pädagogik misst Kinder nicht an einem Normalitätsverständnis, das vorschreibt, was Kinder zu einem bestimmten Zeitpunkt zu können haben. „Das Prinzip der grundlegenden humanen Anerkennung setzt das Konstrukt des schlechten Schülers außer Kraft“. „Jedes Kind ist auf seiner Stufe kompetent“, so Prengel. Sie begründet dies mit einem menschenrechtlich fundierten Heterogenitätsverständnis, das auf dem grundlegenden Prinzip der Gleichheit beruht. Dieses Verständnis ist für die inklusive Bildung konstitutiv. Es geht dabei um die Realisierung einer Gesellschaft, in der man nach der Formulierung von Adorno „ohne Angst verschieden sein“ kann.

Ein Thema, dass auch Psychologinnen und Psychologen interessieren könnte. Soll es darum gehen, Kinder und Jugendliche systematisch zu erfassen und sie ggfs. bei Erreichen bestimmter Grenzwerte einer Förderung per technischer Hilfsmittel zuzführen (um den technokratischen, unpersönlichen Jargon anzuwenden), sie einer Optimierungsforderung zu unterwerfen oder geht es um Erkennen und Verstehen ihrer Subjektivität und Persönlichkeit, ebenso wie ihrer Lebenszusammenhänge?

Was ist Inklusion und wie geht sie?

Die Umsetzung der Inklusion läuft nicht glatt. Für die einen ist es ein verkapptes Sparmodell, für andere ist es eine Chance zur Humanisierung der Schule. Brigitte Schumann hält die Ansätze in NRW und Hamburg letztlich für den Versuch, das Menschenrecht auf Inklusion zu unterlaufen. In der praktischen Ausgestaltung der Inklusion entdeckt sie den Versuch der Sonderpädagogik, ihr altes Terrain zu sichern und auszubauen

Der Sonderpädagoge Stefan Romey aus Hamburg hält in der hlz, Mitgliederzeitung der GEW, dagegen.

Die Umsetzung der Inklusion ist mit reichlich Konflikten verbunden. Das machte offenbar eine Maßnahme, die zur Beruhigung beitragen soll, notwendig. Der Hamburger Schulsenator berief vier Ombudsleute – von denen drei sonderpädagoigscher Provenzienz sind. Inklusion also doch eine sonderpädagogische Angelegenheit?