Schulpsychologische Supervision in der modernisierten Schule

Schule und Schulpsychologie existieren in einer Hülle, die deren Möglichkeiten und Grenzen bestimmt. Die Hülle der Schule ist aus Tradition obrigkeitlich und in der Moderne unternehmerisch herrschend. Einerseits ist die Schule historisch gewandelt und andererseits doch gleichbleibend demokratie- und subjektskeptisch. Die unternehmerisch (und nicht etwa pädagogisch) inspirierte Effizienzsteigerung formt oder deformiert das Verständnis vom Lehrer- und Schülerdasein.

Die der Schule zugestandene und auferlegte Autonomie  ist eine fremdbestimmte: Die Ressourcen sind knapp, die Strukturen der Mehrgliedrigkeit schaffen einen Selbstverständlichkeitsraum der Relativierung pädagogischer Ziele, der Abgrenzung und der Konkurrenz. Kontrolle und Steuerung erfolgen, aber weniger über ein offenes Kommandosystem als mit Hilfe einer Ressourcenknappheit an Personal und Finanzen. Sie erfolgt über Umsetzungsaufträge, die bürokratisch-rational gedacht sind und nicht selten kaum einer verantwortlichen Planung standhalten können. Chaotisierung, Vereinzelung, Demotivation sind die Folgen. Pädagogische Ansprüche lösen sich in einem „effizienten“ unternehmerischen (obrigkeitlichen?) Rahmen auf – in aller Selbständigkeit. Das Ideal reflektierender Experten für Unterricht und Erziehung, die für Mündigkeit und Wissen der jungen Menschen arbeiten und  ZEIT für sie haben, löst sich in der Atemlosigkeit von Konferenzen, Zeugniserstellung, Vergleichsarbeiten und Qualitätsüberprüfung auf.

Für Lehrer und andere Angehörige des Schulsystems wie Schulpsychologen stellt sich die Frage: Wie lassen sich unter diesem Druck eine humane Pädagogik und Psychologie halten und entwickeln?  Gefragt ist die Kunst, die Widersprüche wie auch die eigene Verantwortung und die eigenen Möglichkeiten zu erkennen. Wie kann es gelingen, einen Weg jenseits von Schuld, Versagen und Ohnmacht einzuschlagen?

Supervision ist  ein Mittel, die pädagogische Fachlichkeit und einen klaren Kopf zu bewahren, der Stress steigernden Vereinzelung die Halt gebende Kollegialität gegenüberzustellen. So verrückt es klingt: Supervision und Schulpsychologie werden dazu gebraucht, die modernisierte, effizienzgesteigerte, aber entseelte Schule vor sich selbst zu schützen.

Jürgen Mietz und Hansjürgen Kunigkeit haben sich mit dem Thema ausführlich in ihrem Aufsatz „Supervision und Organisationsentwicklung in einer Schule zwischen Eigenverantwortung und Fremdorganisation“ befasst. Erschienen ist er im Handbuch der Supervision und Organisationsentwicklung, herausgegeben von Harald Pühl. Näheres hier: Supervision und OE in einer Schule zwischen Eigenverantwortung und Fremdorganisation

Wie sich die moderne Arbeitsorganisation in anderen Betrieben bemerkbar macht, kann man hier Psychosoziale Kosten turbulenter Veränderungen nachlesen. Es handelt sich um eine Untersuchung, in der Supervisoren in einer qualitativen Befragung Auskunft über unterschiedliche Themenfelder geben.

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