Die Lernziele der Institutionen und der Regierung

Prägnanter und fundierter als der gestrige Beitrag berichten heute die echten Nachdenkseiten mit einer Reihe von weiterführenden Links über die europäische Tragödie und Erosion:

Eine echte Alternative haben die Griechen also nicht. Was Europa hier betreibt, ist eine Erpressung, wie es sie noch nie gegeben hat. Ein ohnehin schon gedemütigtes Volk hinterfragt das neoliberale Dogma und wird dafür gnadenlos bestraft. Demokratie, Solidarität, friedliches Zusammenleben, Fortschritt, Wohlstand – all dies waren die Säulen, auf denen ein gemeinsames Europa ursprünglich errichtet wurde. Sämtliche dieser Säulen gelten im modernen Europa nichts mehr. Europa ist tot.

Hier geht es zum vollständigen Artikel von Jens Berger auf den Nachdenkseiten

Und hier ein ein kritischer Blick in die Qualitätsmedien

Und? Was wird nun aus Europa?

Abschied von der Demokratie – und ihren Bildungszielen

Ab und zu ist es notwendig, den mehr oder weniger fachlich begrenzten Blick zu heben. Wenn er sich dann auf das allgemeinpolitische Geschehen richtet, kommen Beunruhigung und Unglaube zum Vorschein. Genau genommen läuft es jedoch andersherum. Die Nachrichten lassen einen fragen: Welche Wirkung hat das politische Geschehen auf Bildung, Beratung, Lernen? Die Verfassungen und Schulgesetze legen uns nahe, Schule und Erziehung auf Humanität und Solidarität auszurichten, auf die Achtung der Menschenwürde. Und nicht zuletzt auf eine Demokratie, die der Humanität verpflichtet ist.
Und was erleben wir in diesen Tagen, wenn auch nicht erst in jüngster Zeit? Eine Erosion der Demokratie, des Mitgefühls, der Vernunft, der Humanität. Weiterlesen „Und? Was wird nun aus Europa?“

„Aus der Welt gefallen“

so lautete der Titel eines kürzlich  von Götz Eisenberg veröffentlichten Artikels. Es ging darin um eine Nachbetrachtung zum Absturz der German Wings Maschine im März 2015.

„Nimmt man ein Symptom allzu schnell unter Beschuss ohne seine Bedeutung im seelischen Gesamthaushalt eines Menschen begriffen zu haben, bringt man ihn in Gefahr.“

Darum geht es oft genug auch in der schulischen Beratungsarbeit. Jedoch scheint die Neigung, sich der Mühe des Verstehens zu unterziehen, abzunehmen. Zu groß ist der Schrecken und die Überforderung als dass man sie glaubt aushalten zu können. Zu groß sind die Zwänge und Forderungen des Alltags aus Lernzielkontrollen, Inspektionen, Fristen und sonstigen Ansprüchen. Die Neigung nimmt zu, sich für Außergewöhnliches nicht zuständig zu halten. Dabei sind Lehrer/innen, Kolleg/inn/en, Eltern wichtige Brückenbauer zu weitergehender Hilfe. Sie sind Menschen in Not (relativ) am nächsten, wichtige Vertrauens- und Bindungspersonen, die sich nicht vom verzweifelten Menschen abwenden sollten. Das kann eine weitere Kränkung sein, die „das Fass zum Überlaufen bringt“.

Der Valorisierte trägt in sich die Gewissheit, dass die Dinge kommen können und er das Leben und seine Widrigkeiten meistern wird. Wem es hingegen an Zuwendung und verlässlicher Anwesenheit der Bezugspersonen mangelt, der fühlt sich nicht hinreichend sicher genug gehalten und entwickelt anstelle eines Urvertrauens Misstrauen und Angst.

Lehrer/innen und Eltern sowieso sind wichtige Bezugs- und Bindungspersonen für Schüler. Für Schüler oft natürlicher und selbstverständlicher als Experten von außen. Letzere können die Hauptbezugspersonen nicht ersetzen. Sie stellen oft eine wichtige, wenn auch zwiespältige, Verbindung zur Welt (und vielleicht zu wirksamer Hilfe) dar. Aber die Bezugspersonen brauchen Rat und Unterstützung durch Berater/innen bei der Einordnung „merkwürdigen“ und „verrückten“ Verhaltens, um diese Haltearbeit tun zu können, bis ggf. weitergehende Hilfe greifen kann. Oft sind es Ängste der Bezugspersonen, alleingelassen zu werden (wie bei den Verzweifelten selbst), wenn sie nach den Experten rufen, oder wenn sie darauf verweisen, dass sie „das“ nicht leisten könnten. Wir sollten gemeinsam „drin“ und „dran“ bleiben. Supervision und Beratung für die Professionellen hilft dabei.

Das Diagnostizieren, mit dem wir heute so schnell bei der Hand sind und worauf wir uns so viel zugutehalten, erweist sich als ein Instrument, mit dem die Gesellschaft Störungen und Gefährdungen ihres Zusammenlebens gerade nicht zu verstehen lernt, sondern abdeckt, abriegelt und administrativ in den Griff zu bekommen versucht. Diagnosen befriedigen das Ordnungs- und Kausalitätsbedürfnis der Wissenschaft und der professionellen Helfer sowie den Wunsch, in einem bisher undurchschaubaren, chaotischen, gefährlichen, vielleicht auch angstauslösenden Bereich Ordnung zu schaffen durch Einordnen und Klassifizieren: „Aha, das ist es also!“ Diagnosen rücken den Patienten zurecht für den medizinisch-psychiatrischen Apparat und seine Normalisierungstechniken. Vor allem bahnen sie den Weg für die Verschreibung von Medikamenten, woran die Pharmaindustrie ein großes Interesse hat. Unser Anliegen sollte deshalb nicht sein, ein Symptom schnellstmöglich zu beseitigen, sondern den Versuch zu unternehmen, seine Bedeutung aus der Vielschichtigkeit des jeweiligen Menschen und seiner Lebensgeschichte heraus zu verstehen.

Hier geht es zum vollständigen Artikel von Götz Eisenberg

Es geht noch, weiter

Dieser Blog (und vor allen Dingen sein Betreiber) ist noch nicht tot!

Aus dem Beruf auszuscheiden hat allerdings Aufgaben der Neuorientierung zur Folge, die ihre Zeit und Aufmerksamkeit erfordern, mehr als man meinen möchte. Zur Neuorientierung gehört auch, Altes und Zurückgelassenes in Ordnung zu bringen. Gelingt natürlich nicht, ist aber einen Versuch wert und verschafft ab und an eine neue Erkenntnis.

Der Strom tagtäglicher Versorgung mit Praxiserfahrungen aus Schule, Lehrerschaft, Schülern und Behörde ist natürlich unterbrochen. Stattdessen werden hier in größeren Abständen Themen zu Beratung und ihrer Formierung der Politik und Behörden ihren Platz finden. Ebenso das, was ich bisher unter „Kontexte der Schulpsychologie“ platzierte, also mehr oder weniger allgemeinpolitische Berichte; sie zeigen oft genug Strukturen, Strategien und Stile, die sich auch in Schule und Schulberatung erkennen lassen und ihre Vergiftung kenntlich machen – sofern man der Auffassung ist, dass an Schule der Trend zur Dehumanisierung nicht vorbeigeht, sondern sie gar zu einer Brutstätte der Verdinglichung wird. Wer sich beteiligen will, kann sich unter info.retour(at)gmail.com melden.