Urteil gegen Aspekte der Bildungsprivatisierung

Kleine Risse in der Technokratisierung der Bildung?

Geistessterben nennt Pierangelo Maset die Ergebnisse der so genannten Bildungsreformen. Dass jahrlange Kritik an Privatisierung und marktkonformer Regulierung Früchte tragen könnte, hofft der Professor aus Lüneburg

Aber nach und nach sickerte durch, dass einige der Instrumente der schönen neuen Bildungswelt nicht nur viele unerwünschte Nebenwirkungen hatten, sondern darüber hinaus möglicherweise mit geltendem Recht nicht vereinbar sind.

Im konkreten Fall klagte eine private Fachhochschule, weil ihr von einer Akkreditierungsagentur im Verlauf eines entsprechenden Verfahrens die Akkreditierung von zwei Studiengängen versagt wurde. Die Hochschule strengte ein Normenkontrollverfahren an, das feststellen sollte, ob es mit dem Grundgesetz vereinbar ist, dass ein privates Unternehmen wie eine Akkreditierungsagentur hoheitsrechtliche Aufgaben übernimmt.

Kompetenz entmündigt

Jochen Krautz hat Kritik an der „Kompetenzorientierung“,

die auf diesen Seiten auch schon geübt wurde, in einem Aufsatz zusammengefasst.

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Dankenswerterweise kümmert sich die GEW um die Veröffentlichung.

Sich mit der Analyse der „Kompetenzorientierung“ und ihren Folgen zu befassen kann auch bedeuten, strukturelle Ähnlichkeiten mit der „modernisierten Beratung“, wie sie uns mancherorts nahegelegt wird, zu erkennen. Weder hat das eine mit verbesserter Bildung noch hat das andere mit Verstehen, Aufklärung und Mündigkeit zu tun. Zu tun haben beide eher mit Anpassung an einen technologischen und ökonomischen Wandel. Und der soll nicht kritisch und auf seine Bedeutung hinterfragt werden.

Vielleicht würde es sich lohnen, „Beratung“ in ihren Zielen und Zwecken mit dieser Sicht zu beforschen – auch in der eigenen Praxis.

Wenn Analyse nicht analysiert, sondern steuert …

Schon im Januar 2015 fand im NRW Landtag eine Anhörung zum Thema Qualitätsanalyse in der Schule statt. Auf der Website der Gesellschaft für Bildung und Wissen finden sich drei Stellungnahmen. Professor Jochen Krautz zeigt http://www.landtag.nrw.de/portal/WWW/dokumentenarchiv/Dokument/MMST16-2474.pdf, wie verwegen die Annahme ist, es gehe um Qualität. Tatsächlich gehe es um verdeckte Steuerung.

Bis in diese subtilen psychologischen Strategien zeigt sich der eigentliche Effekt der QA darin,Schulen und Lehrerschaft in Handeln und Einstellungen auf die politisch gewünschten Unterrichtskonzepte auszurichten. Derart wird Kontrolle nicht abgebaut, sondern nur verlagert: Fremdkontrolle soll zunehmend zur Selbstkontrolle gemäß den vorgegebenen Kriterien führen. Das Kontrollsystem kontrolliert dabei weniger die Qualität des Unterrichts, sondern die Qualitätskontrolleure kontrollieren die Selbstkontrolle von Lehrern und Schulen. Damit wird die im Schulgesetz verankerte pädagogische Eigenverantwortung aber gerade nicht gestärkt, sondern unterlaufen.

Wer sich für die Stellungnahmen anderer Personen und Verbände interessiert, wird hier fündig.

Jochen Krautz arbeitet heraus, dass das die Begrifflichkeiten des Qualitätsmanagments vom ökonomistischen Marktdenken durchtränkt sind und sie Bildung und Erziehung ein Regime auferlegen, welches ihrer Eigenart und Logik nicht gerecht wird. Für Schulpsycholog/inn/en und Berater/innen sind diese Überlegungen nicht uninteressant, weil sie mehr und mehr in den Sog des sog. Qualitätsmanagements hineingezogen werden und sich selbst mehr und mehr dieses Denkens bedienen – aus Überzeugung oder um Anschlussfähigkeit zu zeigen.