Spielräume der »Machtunterworfenen« im unwirtlichen Gelände der Beratung (II)

Die Zeit für Alternativen ist reif – die Menschen sind am Ende

Was ich im vorangehenden Beitrag geschildert habe, sind Folgen des unternehmerischen Denkens, wie es in Folge der neoliberalen Wende – Derugulierung, Privatisierung, Kürzung, Konkurrenz – zur Doktrin wurde. Damit machte man die Welterklärung und -gestaltung einfach. Alles Handeln und Gestalten geschehe dann effektiv, wenn man es in die Form eines Geschäfts, eines Deals, also einer Ware brachte. Dieses Schmalspurdenken ist nur dann eine Lösung, wenn man die Wirklichkeit ignoriert. Also ist es keine echte Lösung. Auch dann nicht, wenn man versucht, die Wirklichkeit an den Glauben/die Theorie anzupassen. Ich erspare es mir hier, das weiter auszuführen.

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Über den Zusammenhang von technokratischer Steuerung, Gewalt und Stillstand

gilt eben nicht minder, dass die Implementierung managerialer Steuerungsmodelle in die gesellschaftlichen Einrichtungen, also vom Bildungs- und Gesundheitswesen, über Medien, Kultureinrichtungen, Kirchen, Politik, Verbände und Gewerkschaften, eine wesentliche Ursache dafür sein dürften, dass deren Unvermögen, eine Spannung zum herrschenden Regime aufzubauen, inzwischen kaum mehr zu übersehen ist. Ihre Widerstandfähigkeit wurde durch langanhaltende und gründliche Transformationsprozesse fast vollständig getilgt.

Man könnte diesen Glaubwürdigkeitsverlust des Neoliberalismus, der von der Assimilation kultureller Sinnfiguren förmlich lebt, aber selbst keinen Sinn hervorzubringen vermag, eigentlich genüsslich verfolgen, wenn nicht bereits relevante Institutionen des öffentlichen Lebens, die Aufklärung oder gar einen Gegenentwurf leisten könnten, selbst kontaminiert, funktionalisiert und damit korrumpiert, weil bis zur Unkenntlichkeit entstellt, wären.

Die Wissenschaft beispielsweise hat sich im Zuge von Ökonomisierung und Bologna längst von den Leitideen der Bildung und Wahrheitsfindung losgesagt, die Kirchen haben durch Unternehmensberatungen das ökonomistische Regime importiert und konterkarieren die gelegentliche Kapitalismuskritik von den Kanzeln durch Ausbeutung der eigenen Angestellten und manageriales Steuern. Die Gewerkschaften sind längst hierarchische Apparate, …

Beispielsweise verwenden wir viel Energie darauf, die Bologna-Studiengänge endlich zum Funktionieren zu bringen, anstatt, was seit Jahren überfällig wäre, darüber nachzudenken, inwiefern diese Konzeption überhaupt einen Sinn hat oder nicht vielmehr die für Bildung und Emanzipation notwendigen Grundlagen per se zerstört.

Das vollständige Interview mit Matthias Burchardt findet sich hier auf den Nachdenkseiten

Langsame Prozesse

Die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern sich – was tun die Professionellen?

Im Anschluss an den Kongress »Sozialpsychologie des Kapitalismus – zur Aktualität Peter Brückners« Anfang März 2012 fand ich einige interessante Artikel, die auch im Netz verfügbar sind. Klaus-Jürgen Bruder eröffnete den Kongress. Von Klaus-Jürgen Bruder gibt es hier weitere interessante Artikel, die auch für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen und ihre Praxis interessant sein könnten: Sie befassen sich mit »Verdrängung der Frage nach dem Sinn«, mit Psychotherapie und Markt, Subjektvorstellungen.