Wie der entfesselte Markt Bildungschancen frisst

Unter anderem sind es die Bildungs- und Sozialpolitik, die unter dem Diktat der Finanzmärkte und der ihnen untergeordneten Politik leiden — so sprach Frau Merkel davon, dass es darum gehe eine marktkonforme Demokratie herzustellen und nicht etwa einen demokratiekonformen Markt oder eine demokratiekonforme Wirtschaft. Bei allen Strukturveränderungen im Bildungswesen und Sozialwesen geht es letztlich darum, sie den Rentabilitätsinteressen der Investoren unterzuordnen, möge auch noch so viel von Chancengerechtigkeit, Eigenverantwortung, Fördern und Fordern gesprochen werden.

Kurz und prägnant zeigen das zwei Dokumente, die frisch erschienen sind.

Das Volk wird zum Störfaktor (Frankfurter Rundschau) und

Der ökonomische Putsch oder Was hinter den Finanzkrisen steckt (Deutschlandfunk)

Es wird deutlich, dass für den normalen Menschen immer weniger übrig bleiben wird

Lehren als Lernbehinderung

Ein Vortrag von Klaus Holzkamp aus dem Jahre 1991: Lehren als Lernbehinderung?

Es geht unter anderem darum zu klären, in welchem Verhältnis Lehren und Lernen stehen. Wer ist Subjekt in diesem Prozess und wie? Man könnte nach zwanzig Jahren meinen, die Schule sei weiter. Weiter darin, dem Schüler mehr Verantwortung zuzugestehen. Rhetorisch ist die Schule heute zweifellos weiter. Aber geht es nicht immer noch darum, die Individuen dazu zu bringen, das freiwillig zu tun, was sie tun sollen? Und auch der Kritik an der modernen Kompetenzorientierung ist zu entnehmen, dass Schüler nach wie vor »defensiv« lernen und dass das moderne Lernen unter den Bedingungen intensivierter Rationalisierung und Steuerung durchaus nicht emanzipatorisch geworden ist.

„Jedes Kind ist hochbegabt“

Hüther will die modernen Erkenntnisse der Hirnforschung in die Bildungssysteme hineintragen, „damit sich dort jene Veränderungen umsetzen lassen, die eigentlich notwendig sind, damit unsere heranwachsende Generation die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern kann“.

Dabei räumt Gerald Hüther ein weiteres Mal mit der Vorstellung auf, es seien die Gene, die Hochbegabung »machen«. Den Hinweis habe ich über den Verteiler der Kritischen Psychologie erhalten.

 

 

Zukunft der Bildung

Bildung – gibt’s die noch?

Zumindest gibt es noch einige Wissenschaftler und Praktiker, die an ihren Wert erinnern, Definitionen unternehmen und sie von Ausbildung abgrenzen. Schule bewegt sich mehr und mehr in Richtung Ausbildung. Funktionalisierung statt Sinngebung ist die Folge, ebenso wie der Verlust von Persönlichkeit(sbildung) und Eigensinn. Stattdessen Orientierung an Standards und am Lernen für den Test. »Zehn Thesen zur Debatte um kompetenzorientierte Bildungsstandards« liefern Diskussionsstoff.

Wenn Bildung mit Werteerziehung zu tun hat(te) und mit einem Gewinn an Autonomie der Person, mit emanzipatorischen Potenzialen der Schule, so sind die heutigen Zustände eine Verkümmerung. Nicht zuletzt daraus entstehen Probleme, die allseits beklagt werden und mit wachsender Kontrolle gelöst werden sollen. Der Kongress »Irrwege der Unterrichtsreform« war ein Plädoyer für die Inhalte, für Wissen und eine Gegenrede gegen Häppchenpädagogik, Modularisierung und Methodenfetischisierung.

»Die Persönlichkeit des Lehrers soll herausgehalten werden«hieß es in einem Beitrag. Eine Bemerkung, die psychologische Berater hellhörig machen sollte — nicht zuletzt deshalb, weil es notwendig sein könnte, die eigene Ethik in der modernen Schule zu hinterfragen. Welche Zusammenschlüsse brauchen die professionellen Berater des Schulsystems, um ihre Ansprüche zu retten und – welche sind das?