Für Beratung wird es eng …,

… zumindest für diejenigen, die unter Beratung eine prozessorientierte, personennahe, ergebnisoffene, weisungsunabhängige Unterstützung verstehen

Wie hier schon mehrfach beschrieben und beklagt ist der obengenannte Beratungsansatz in der Hamburger schulbezogenen Beratung gefährdet. Konzeptionelle Schwächen, fehlendes Wissen über Nutzen und Rahmenbedingungen prozessorientierter Beratung sowie ein der Diskussion unzugänglicher Rausch der Funktionalisierung sind dafür verantwortlich. Ich beschreibe das noch einmal in dem Aufsatz Subjektorientierte Beratung in der Krise

Darin ist noch nicht berücksichtigt, dass  den Beratungsabteilungen der ReBBz mit einer neuen Dienstanweisung die Bearbeitung der Anträge auf Schulbegleitung zugewiesen wurde. Damit liegen die Gewährung oder Nichtgewährung von Hilfen einerseits und freie, unabhängige Beratung andererseits in einer Institution – beratungstheoretisch ein Unding.

Dabei war (und ist, sofern sie noch respektiert ist) unabhängige, weisungsungebundene Beratung gerade auch bei öffentlichen Trägern (jeder sollte sie sich leisten und Zugang zu ihr haben können) ein Fortschritt und gesellschaftlicher Konsens (vgl. Katharina Gröning). Nach 1945 und nicht zuletzt als Versuch den „autoritären Charakter“, wie er in den wilhelminischen und NS-Zeiten entstanden war, zu überwinden, ging es darum, Persönlichkeit und Demokratie gemeinsam zu denken und zu entwickeln. Familien- und Erziehungsberatung, Schulberatung und schulpsychologische Dienste hatten in den 60 er und 70 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts diesen Hintergrund – und sie sollten die Bildungsbeteiligung erhöhen. Diese Anstrengungen waren Teil des Projekts „Mehr Demokratie wagen“.

Jeder Einzelne sollte Instrumente in die Hand bekommen, mehr Verfügung über das eigene Leben zu bekommen und seine Umwelt mitzugestalten. Mit der Ausrichtung auf „Neue Steuerung“, mit der Ökonomisierung von Schule und Staat, einem Projekt der Eliten von oben, haben wir es inzwischen mit etwas Anderem zu tun: Der Mensch soll verfügbar sein (Employability) für Renditeinteressen und für den Markt – und ihn nicht gestalten. Selbstbewusste Subjekte sind da eher störend und nicht von Bedeutung. Wozu noch reflexive Beratung, die Urteilsbildung und (Selbst-) Klärung will?

Eine nicht unerhebliche Frage für Berater/innen und ihre Berufsverbände. Werden sie Position beziehen?

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