Bertelsmann durch Rot-grün wieder im Bildungsgeschäft

Wer hätte das gedacht: Rot und Grün holen die Bertelsmann-Stiftung in die NRW-Schulpolitik zurück. Die Bertelsmann-Stiftung ist wohl nur noch formal als gemeinnützig anzusehen. Tatsächlich versucht sie seit Jahren das neoliberale Wirtschaftsmodell in der Gesellschaft zu etbablieren.

Ihre Aktivitäten sind verzweigt, leutselig in der Öffentlichkeit, verdeckt und zielstrebig bis aggressiv in der heimlichen Einflussnahme. Ihr Ziel ist die Privatisierung all dessen, was in öffentlicher Hand ist und Profit sowie Ideologieproduktion im Sinne des Neoliberalismus verspricht.

Der Bertelsmann-Stiftung gehört unter anderem RTL, ein Sender, der eifrig zur Verblödung beiträgt, aber auch das Bildungsverständnis offenbart.

Hier einige Links:

Kooperation Schulministerium – Bertelsmann-Stiftung

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Bertelsmannkritik

Gymnasium gesichert. Sekundarschule statt Gemeinschaftsschule. Weiterhin Gesamtschule, Realschule und Hauptschule. Die Kommunen sollen’s richten.

Kurz vor den Ferien oder in den ersten Tagen der Ferien gab es einige Meldungen, die aufhorchen ließen. Zweimal war es die rot-grüne Regierung in NRW, die mit sich selbst sehr zufrieden war.
Die rot-grüne Regierung verkündete einen so genannten Schulfrieden 2, den sie mit der CDU geschlossen hatte. Auf zwölf Jahre soll der angelegt sein.
Möglicherweise haben sich die Parteien SPD, Grüne und CDU jenseits aller versprochenen Schulpolitik des gemeinsamen Lernens damit den Frieden verschafft, den sie brauchen, wenn sie nach vorzeitigen Neuwahlen oder nach den nächsten regulären Wahlen untereinander koalitionsfähig sein und die Linkspartei von Einflussmöglichkeiten abschneiden wollen.

Diese sieht sich vor den Kopf gestoßen, war sie doch Sympathisantin des von Grünen und SPD propagierten gemeinsamen Lernens. Was es der Linkspartei erleichtert haben dürfe, der Minderheitsregierung ab und an ihre Stimmen gegeben zu haben. Hier ein Interview mit der Linkspartei

Die GEW pickt sich ihre Rosinen heraus, wenn sie sich auf neue Leitlinien für die Einrichtung von Sekundarschulen bezieht.
Dass bestimmte Stärkeverhältnisse der Parteien im Parlament Absprachen und Kompromisse erfordern, ist das eine. Ob sich die Handlungsfähigkeit der rot-grünen Koalition tatsächlich erhöht, wenn das gegliederte Schulsystem in der Verfassung neu verankert werden soll, dürfte allerdings fraglich sein. Die konservativen Kräfte werden sich das als Argument für ihre die Gesellschaft spaltende Schulpolitik und die Sicherung des Gymnasiums nicht nehmen lassen. So sicher das ist, so fraglich ist – zumal nach den Hamburger Erfahrungen – ob SPD und Grüne gewillt und in der Lage sind, um die Menschen zu werben, die am meisten auf gemeinschaftliches statt ausgrenzendes Lernen angewiesen sind. Einen saftigen Kommentar gibt es hier: Einen saftigen Kommentar gibt es hier

Und hier noch eine weitere Meinung von Attac Köln: Weiterlesen „Gymnasium gesichert. Sekundarschule statt Gemeinschaftsschule. Weiterhin Gesamtschule, Realschule und Hauptschule. Die Kommunen sollen’s richten.“

Wiederkehr der Stände

Abiturfeiern als Zeichen des Ständedünkels – das Diktat als Mittel der Disziplinierung

Die Rückkehr in die Vergangenheit schreitet voran. Ist in der Regel schon der Besuch des Gymnasiums eine Sache des Einkommens, so muss es auch gezeigt werden, dass man zu denen gehört, die dazugehören. Der Unterschied ist alles.  Protz und Pomp der Abiturfeiern sind Abklatsch der Inszenierung von Prominenz. Wo das Bedürfnis nach Anerkennung so stark ist, ist die Anfälligkeit für Betrug nicht weit. Hauptsache teuer. Aber keine Sorge. »Seriöse« Anbieter stehen sicherlich bereit, um die Ständegesellschaft auch diskret wiederherzurichten.

Ebenfalls zurück weist der Hamburger Senat mit der Rehabilitierung des Diktats. Als Mittel der machtbewussten Disziplinierung und Stresserzeugung passt es wieder in die auf Abgrenzung bedachte Ständegesellschaft.

Lehren und Lernen sind persönlich und subjektiv

Plädoyer für Psychologie in der Schule – statt Verschulung der Psychologie

Das Individuelle, die Persönlichkeit, die Eigendynamiken von Personen und Organisationen zu verstehen und sie in einen entwicklungshaltigen Austausch zu bringen, sind zentrale Themen der Psychologie, nicht zuletzt der Schulpsychologinnen und Schulpsychologen. Wenn man den Schulbehörden wohl will, könnte man sagen, dass sie einsichtsfähig waren und sind: Die schulpädagogische Praxis konnte in den vergangenen Jahrhundert bis auf den heutigen Subjekte und staatlich-unternehmerische Steuerungsinteressen nicht versöhnen, aber die Schulbehörden haben sich in Gestalt der Psychologie das Subjekthafte des Lernens und Erziehens »hereingeholt«.

Andererseits konnte sie sich damit nie wirklich befreunden. Und die Schulforschung hat mehr oder weniger das Normierungs- und Steuerungsinteresse bedient, als dass sie sich dafür interessierte, was es mit Persönlichkeit, Individualität und Subjektivität im schulischen Lernen auf sich hat. Um so erfreulicher, wenn sich dazu dann doch Stimmen melden: Messen, messen, messen – hilft nicht

Persönlichkeitsmerkmale der Lehrer, Beziehungsgestaltung, Subjekthaftigkeit als Teil individueller Lernvoraussetzungen

 

Zwei Lesehinweise zum Thema Gewalt

Hier zwei interessante Artikel zum Thema Gewalt. Der eine, von Götz Eisenberg, ist schon einige Wochen alt. Götz Eisenberg schreibt, dass die Kameras, die auf öffentlichen Plätzen die Sicherheit erhöhen sollen, bei bestimmten Persönlichkeiten gerade erst den besonderen Kick bieten. Hier mehr dazu

Volkmar Sigusch schreibt aus Anlass der Empörung über Sexualtäter. „Wollen wir das übliche Gerede über Kachelmann oder Strauss-Kahn vermeiden, dann müssen wir ganz andere Fragen stellen, als es derzeit getan wird.“ Weiterlesen

Schulen immer abhängiger von der Wirtschaft

Schule ist noch dem Allgemeinwohl verpflichtet. Der Staat soll der Sachwalter des Allgemeinwohls sein. Mit dem wachsenden Einfluss der Bertelsmann-Stiftung, die dem Konzept des Neoliberalismus folgt und nur vermeintlich gemeinnützig ist, stattdessen aber den Ruf des heimlichen Bundesbildungsministeriums hat, ist das Prinzip der staatlichen Verantwortung schon seit einigen Jahren in Auflösung begriffen.

Wo die Bertelsmann-Stiftung seit Jahren die eigenen Geschäfts- und Unternehmensideen beackert, wollen auch andere Akteure ihre Felder bestellen. Die konsequente staatliche Unterfinanzierung des Schulwesens über viele Jahre hinweg, die Straffung durch Normen und Standards und fehlende Spielräume für ernsthafte pädagogische Entwicklung macht die Schule anfällig für Übernahmen durch die Wirtschaft. Die Bildungspolitik der letzten 20 Jahre hat diese Übernahme möglich gemacht.

Schwäche der Schule ist Stärke der Wirtschaftlobbyisten

Studie zum Wirtschaftslobbyismus an Schulen

Ergebnisse für deutsche Bildungspolitik unterirdisch

Knausern an der Bildung – ein Geschäftsmodell, das die Zukunft aufs Spiel setzt

Europas weitaus größte Wirtschaftsmacht, die durchsetzen möchte, dass alle Mitgliedstaaten der Europäischen Union dem deutschen Beispiel folgen und über Lohnsenkungen und Sozialabbau wieder wettbewerbsfähig werden, verspielt auf einem der wichtigsten Felder, nämlich der Bildung und Qualifizierung der nachrückenden Generation seine Zukunftsfähigkeit. Das belegt nicht nur der neue Bildungsbericht der EU-Kommission, das beweist auch das Scheitern der groß angekündigten „Qualifizierungsinitiative für Deutschland“. Zukunft wird verspielt