Wer Bildung will, darf über Demokratie nicht schweigen

Jochen Krautz untersucht die Interessen, die hinter PISA stehen. Manches Gehabe der Bildungspolitik hält er für Scheindemokratie. Näheres findet sich hier in seinem Aufsatz.

Die sanfte Steuerung der Bildung

Weitere Hinweise zum Thema hier

Nicht unerwähnt soll die Bertelsmann-Stiftung bleiben. Sie hat sich schon viele  – und nicht wenige manipulative – Gedanken gemacht, worauf die Nachdenkseiten hinweisen: „Der Autor zitiert aus einem Papier der Bertelsmann Stiftung „Die Kunst des Reformierens. Konzeptionelle Uberlegungen zu einer erfolgreichen Regierungsstrategie.“ Hier ist der Link [PDF – 2.8 MB] auf dieses erhellende Stück strategisch geplanter Einflussnahme. Sie trägt im Kern einen antidemokratischen Charakter.“

Wir tun gut daran, dass wir das, was wir häufig als Nebeneffekte aus Desinteresse, Bürokratismus, Uninformiertheit von Bildung und Politik abtun, als Teil einer gewollten und gekonnten Strategie einordnen.

Zum Schluss noch ein Hinweis auf eine Tagung im November:

Tagung

Fachliches, Demokratie und Gesellschaft

Viel ist liegengeblieben in den letzten Tagen. Nicht zuletzt wegen interessanten Lesestoffs. Vielleicht hat jemand Lust, nachzulesen – Links, die von Interesse sein könnten

Kindliche Entwicklung, früh spät egal?

Gibt es die entscheidende sensible Phase?

Kann es Demokratie geben? Schlägt sie unvermeidlich um in Oligarchie? Anwendbar auch auf Behörden? Das Manuskript einer Sendung im Deutschlandfunk:

Das eherne Gesetz der Oligarchie

Demokratie: Modelle einer neuen Gesellschaft. Anwendbar auf Behörden und ihre Beschäftigten?

Demokratie und Selbstorganisation

Anderssein schwergemacht, ein Blick in die Justiz (-Verwaltung) mit der Zeit. Parallelen in anderen Organisationen scheinen nicht ausgeschlossen:

Der unbequeme Richter

Voll die Revolte – oder lieber doch nicht?

Voll die Revolte – oder lieber doch nicht?

Das Geld ist da – nur mal eben – oder gerade noch? – woanders (zweimal aus der Süddeutschen):

Das Geld ist da

Das Geld ist da II

Über Statistiken, Ängste und Behandlungsbedarfe. Hier geht es im Gesundheit und Pflege, in Psychologie und Beratung sind solche Tendenzen nicht unbekannt, Nr 10 anklicken:

Statistiken, Prognosen, Ängste, Bedarfe – wie echt und verlässlich sind sie?

Demokratie am Ende – oder mehr Demokratie wagen?

In zahlreichen Organisationsentwicklungsansätzen ist die Rede davon, dass es darum gehe, die die Erfahrungen und Potenziale der Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen einzubeziehen. Nicht selten mündete dies darin, Spielwiesen für Interessierte einzurichten. Nicht selten walzte später eine Maschine von Sachzwängen über zarte Pflänzchen der Beteiligung hinweg. Parallel wurden in nicht wenigen Bundesländern die die Mitbestimmungsrechte eingeschränkt (in NRW wurden sie nach der letzten Wahl von Rotgrün teilweise wieder hergestellt).

Was in Fragen der Finanz- und Europapolitik immer mal wieder zu hören ist, ist eine Klage über den Demokratiemangel: In Hinterzimmern würden keine oder nur schwach legitimierte Ausschüsse anordnen und verfügen, so der Ex-SPD-Europapolitiker Günter Verheugen. Gleiches lässt sich aber auch in der Bildungspolitik beobachten. Schulen und neueinzurichtende Dienststellen und Abteilungen, zum Beispiel im Zusammenhang mit der Umsetzung der Inklusion, sehen sich zu einer Manövriermasse von Politik und Verwaltungen degradiert. Was in Schule noch ohne Widerstand hingenommen wird, entwickelt sich an anderen Stellen gegenteilig. Der Anti-S21-Virus wird zu einer Horror-Vision der Großstragegen, die zu wissen meinen, was gut und richtig ist. Inzwischen gibt es offen Forderungen, die demokratischen Rechte einzuschränken, mit Sympathie in zahlreichen Medien verbreitet.

Das ist ein Hinweis darauf, dass Ziele wie Inklusion, Bildungsgerechtigkeit, Bildung als Mittel der Emanzipation und auch Beratung als Mittel emanzipatorischer (Selbst-) Aufklärung auf eine breite Bewegung für Bildung angewiesen sind. Das Denken in Kategorien von Wahlperioden, der Zuständigkeit von Parteien greift zu kurz. Vorbild: die Anti-Atombewegung – oder die Bewegung gegen S21. Kleiner scheint es nicht zu gehen.

 

REBUS – Erfolgsmodell für alle oder Spezialfall?

(Eine leicht überarbeitete Version eines früheren Eintrags)
von Jürgen Mietz
Es scheint so, als solle sich das Modell einer Organisation von Beratung (und Unterstützung), wie es sich in HH ab Ende der 90 er Jahre etablierte, nun bundesweit durchsetzen. Bremen hat sich von ihm inspirieren lassen, Niedersachsen und Berlin sollen folgen, wenn man  einem Gutachten von Klaus Klemm und Ulf Preuss-Lausitz (rechts unten klicken) folgt. Es wurde in Zusammenhang mit der Umsetzung der Inklusion in NRW erstellt. Klemm und Preuss-Lausitz widmen sich darin unter anderem Fragen der Beratung und Unterstützung und stoßen dabei auch auf das REBUS-Konzept.
Für Hamburg liegt eine Evaluation der REBUS-Praxis vor. (Konzept und Evaluation hier).  Klaus Klemm und Ulf Preuss-Lausitz entnehmen ihr einen summarischen Satz, um die prinzipielle Geeignetheit der REBUS-Konstruktion zu belegen: „Grundsätzlich wurde die Arbeit der REBUS als sehr wichtig für den jeweiligen regionalen Kontext, aber auch für die Arbeit der Kooperationspartnerselbst erachtet“.
Zum einen wird diese verallgemeinernde Aussage der Evaluation selbst nicht gerecht, sie urteilt differenzierter. Zum anderen lässt sich an der Evaluation, an ihrer Methodik, an den Fragen, die gestellt wurden und an den Fragen, die nicht gestellt wurden, Kritik üben. Weiterlesen „REBUS – Erfolgsmodell für alle oder Spezialfall?“

Erlassentwürfe, alter Erlass und ein Gutachten aus NRW

Schulpsychologie im Umbruch könnte man sagen. Das regt dazu an, die eigene Situation in anderem Licht zu betrachten – und sie nicht mehr als unabänderlich zu sehen. Die Reaktion einiger Kolleginnen und Kollegen ermutigt mich, auf einige Neuerscheinungen hinzuweisen und noch einmal auf den Link zum Erlass für Schulpsychologie in NRW hinzuweisen.

Erlass-Entwurf Schulpsychologie Niedersachsen

Erlass Schulpsychologie NRW  und dann noch ein Klick in die letzte Zeile

Über die modellhaft eingerichteten Kompetenzzentren in NRW berichtet ein 22 seitiges Gutachten. (Und ein Klick unten rechts)

Es gibt einige Hinweise auf das „Innenleben“ der Inklusion, auf Tücken der Beratung unter Pädagogen und auf den Sinn externer, unabhängiger Beratung.

Es wäre selbstverständlich wunderbar, wenn hier erkennbar würde, welche Bewertungen und Resonanz diese Papiere hervorrufen …

Artikel zu den Gewaltexzessen in Großbritannien

Die Dimensionen der Gewalt, wie sie in Großbritannien ausbrach, sind uns bisher unbekannt. Nicht wenige Politiker und Kommentatoren sprechen mehr oder weniger von Faulheit, Verantwortungslosigkeit und schlechter Erziehung, die abgestellt gehörten. Andere scheinen die Gelegenheit fiebrig zu nutzen, um schon immer ersehnte Repression herzustellen. Sehr einfach diese Erklärungen.
Die folgenden Artikel erinnern daran, dass wir es uns nicht zu einfach machen dürfen. Möglicherweise ist die Bildung bei manchen Menschen so weit gesunken, dass sie tatsächlich weder Wissen noch den Rest einer Idee davon haben, dass Gewalt eine politische und soziale Dimension hat und sie nicht vom Himmel fällt.
Wohin die Auflösung von Gesellschaft führt, wenn das Konkurrenzprinzip und die Bereicherung zum Maßstab werden:

Organisation der Bildung zwischen elitär und demokratisch

Wir haben es erfahren, besonders und zuletzt im Zusammenhang mit dem Hamburger Volksentscheid 2010: die Bildungsorganisation ist von entscheidender Bedeutung für die Sicherung von Macht und Einfluss in der Gesellschaft. Deshalb ist sie heiß umkämpft. Sie entscheidet über den elitären oder demokratischen Charakter von Bildung. Nicht zuletzt im Zusammenhang mit den Riots in England ist der Artikel aus dem Jahr 2008 von Michael Hartmann „Über Reichtum und Eliten im europoäischen Vergleich“   aktuell.