Mit Zahlenflut, Tonnenideologie, und Optimierungsrhetorik wird der Blick von Schwachstellen der Schulpolitik abgelenkt

Offensive für guten Unterricht ist zweifelhaft

In regelmäßigen Abständen versorgen uns Schulsenator Rabe und sein Pressesprecher mit Heilsbotschaften. Hamburg immer besser, höher weiter. Verkündet werden uns in routinierter PR-Manier Qualitätsverbesserungen, wo bestenfalls von mehr Personaleinsatz, quantitativen Veränderungen und Umschichtungen die Rede sein kann. Was sie am Ende bringen werden, sollte allein schon der Redlichkeit wegen offenbleiben.
Mit Empirie und Hattie wähnt man sich auf der Siegerseite. Empirie hat den Ruf einer harten Währung. Angeblich werden die Unterrichtsergebnisse und Leistungsstände genauer denn je betrachtet, und zwar mit testmäßig und damit dem Anschein nach objektiven und unbezweifelbaren Normwerten. Zweifel an den in Aussicht genommenen Ergebnissen sind indes angebracht. Um das zu verstehen, begeben wir uns auf einen kleinen Zitatenspaziergang durch das Land der empirischen Forschungen. Weiterlesen „Mit Zahlenflut, Tonnenideologie, und Optimierungsrhetorik wird der Blick von Schwachstellen der Schulpolitik abgelenkt“

Die Hattie-Studie eignet sich nicht zur Erlösung von den Problemen der Schule

Zu reden ist über die Hattie-Studie, die nicht zuletzt von der »Zeit« (hier und aktuell hier) mit viel Sympathie ins Volk getragen wurde. Sie war für eine Vermarktung gut geeignet. Sie kommt sensationsheischend und im revolutionären Gestus daher: Jetzt aber Schluss mit den esoterischen Empfehlungen der heimischen Pädagogen. Sie spekuliert auf einen antibürokratischen Komplex in Leser-, Eltern- und Lehrerschaft. Sie legt nahe, die pädagogischen und sonstigen Probleme der Schule ließen sich beheben oder mindern, wenn wir im Wesentlichen auf den Unterricht, also auf den Lehrer schauten. Mit der so genannten Hattie-Metaanalyse, eine Studie, die die Ergebnisse einer Vielzahl von Studien zusammenfasst, lässt sich vor allem neoliberal kostengünstig und frei von Sinnfragen des Lehrens und Lernens Schule (weiter)machen – Schluss mit dem Gedöns von Schulstrukturreformen, kleinen Klassen etcetera. Die schwerwiegenden methodischen Pferdefüße werden erst später sichtbar, wenn der erste Coup – »wir haben die Lösung« – gelandet ist.
Georg Lind, wie vor ihm schon Hans Brügelmann und Ewald Terhart zeigen auf unterschiedliche Weise, wo die Grenzen der Hattie-Studie liegen. Ihre Beiträge sind eine Bereicherung für jedes Methodenseminar in Pädagogik und Psychologie.

Die Beiträge der Wissenschaftler wurden der Website Forum kritische Pädagogik entnommen