Nachhilfe in Methodenlehre und Statistik

Am Beginn meines Psychologiestudium standen sehr, sehr trockene Statistikkurse. Im zweiten Teil des Studiums war Statistik u. a. wichtig geworden, um die Qualität und Aussagekraft von Studien und Untersuchungsdesigns einschätzen zu können. Auch wenn ich von mir nicht behaupten kann, ich sei ein Freund der Statistik geworden, so ist doch so viel hängengeblieben: Bleibe wachsam, stelle Fragen, lass dich beraten. Statistik kann auch ein Instrument der Manipulation sein. Die Unstatistik des Monats zeigt das sehr schön. (Und natürlich gilt es auch hier, aufmerksam zu bleiben: worüber man keine Daten hat, kann man auch keine statistischen Aussagen machen, wenn ich es richtig sehe).

Datenqualität offenlegen und diskutieren

Umso verblüffter war ich, als ich schon am Beginn der Pandemie einen verzerrenden „Datensalat“ serviert bekam. Mein Eindruck: So hätte ich nie mein Diplom bekommen. Wie konnte es sein, dass Medien und Institute, die doch mit versierten Fachleuten ausgestattet sind, das durchgehen lassen?

Hier berichtet Norbert Häring von weiteren methodisch-statistischen Schwachstellen. Wem nützt es, wenn die Qualitätsmedien das durchgehen lassen und wenn die Verlässlichkeit der Daten nicht offengelegt wird?

»Wir werden uns viel zu verzeihen haben«

So sprach der Gesundheitsminister Spahn schon im Jahr 2020. Vielleicht hat er Recht damit. Aber geht es nicht vielleicht um mehr? Wurde nicht vielleicht wissentlich übertrieben, was uns an Gefahren bedrohte? Die Debatten wurden enggeführt im Namen der Einheitlichkeit der Maßnahmen und damit der Rettung von hunderttausenden von Leben. Obwohl mit guten Gründen es immer andere Einschätzungen gab, wurde mit aller Macht der Politik und der sog. Qualitäts- und in jedem Fall der Leitmedien auf Einschränkung der Grundrechte, auf Lockdowns und vor allem auf die Impfung als Erlösung von allem Übel hingearbeitet. Wenn man die Politik der Bundesregierungen mit etwas Aufmerksamkeit und einer Prise kritischen Geists verfolgt hatte, konnte man sich natürlich schon fragen, wie es dazu kommen konnte, dass eine Bundesregierung, die im Gesundheitswesen privatisierte, die das System der Fallpauschalen, die die Krankheit der Menschen zu einem Geschäftsmodell machte, ganz plötzlich an unserer Gesundheit interessiert war.

Vielleicht lichtet sich allmählich der Blick für die Fehlleistungen des sog. Corona-Managements, denn in Medien tauchen immer wieder Informationen und Berichte auf, die einer sachlichen Argumentation die Türen öffnen könnte. Das wird nicht ganz einfach sein, denn was geschieht mit den Politikern und -innen, wenn sich herausstellen sollte, dass sie nicht „ehrlich“ waren, sondern voreingenommen und gar einer vorgegebenen Agenda folgten?

Auf jeden Fall ist es an der Zeit, dass die Verängstigten und systematisch in Panik Versetzten einen Blick auf das wagen, was ihnen (und anderen) widerfuhr. Hier eine kleine Liste von Themen, die mir geeignet scheinen, eine freiere Sicht zu gewinnen. Einiges davon ist schon seit Monaten bekannt, findet aber erst jetzt seinen Weg in die eine oder andere Zeitung oder ihre online-Ausgabe.

Die schwachen methodischen Grundlagen der Pandemie-Bekämpfung waren von Anfang an (März 2020) in der Kritik. Nun tauchen sie in zitierbaren Medien auf. Hier geht es um die zweifelhaften Grundlagen der gefährlichen Zahlenspiele, mit denen eine düstere und bedrohliche Stimmung erzeugt wurde.

Ein anderer Angsttreiber waren die Berichte über das kurz bevorstehende Zusammenbrechen der Versorgung in Krankenhäusern. Da der Bericht in der „Welt“ hinter einer Bezahlschranke liegt, hier ein zusammenfassender und weiterführender Bericht auf den Nachdenkseiten.

Auf die Missachtung der Kinder und Jugendlichen sei noch einmal hingewiesen. Es scheint vielen Verantwortlichen (?) nicht klar zu sein, welche Schäden sie der jungen Generation mit ihrer Politik zugefügt haben und zufügen. Verwunderlich, könnte man denken, wo sie doch an anderen Stellen unentwegt davon reden, dass man den jetzt jungen Generationen dieses oder jenes nicht aufbürden dürfe – wobei das in der Regel tatsächlich herbeigeholte und nützlichkeitsgetriebene „Begründungen“ sind.

Angesichts der eigentlich günstigen Zahlen bzgl. der Infektiösität von Kindern bleibt auch die Frage, warum Lehrer’innen und ihre Verbände immer noch im Modus der Bedrohung bzw. des Schutzes verharren. Sind sie selbst Opfer der Panikstrategie geworden? Oder stecken ganz andere Motive und Gründe dahinter? Sind es die unzulänglichen personellen, räumlichen, technischen und andere Bedingungen, die einen entmutigen und bedrohen? Auch das sind Themen, die aufgearbeitet werden sollten.

Wie wenig die Politik der Regierenden am Wohl der Menschen ausgerichtet ist, zeigt sich daran, dass sie die Bedingungen für eine menschlich orientierte Psychotherapie schreddern wollen. Auch hier ein Verfahren, das uns aus Förderkonzepten der Schule (und anderen Institutionen) hinreichend bekannt ist: Rationalisierung, Begrenzung – alles und alle müssen in ein Raster passen. Das ist dann Gerechtigkeit.

Wer noch etwas über den Zusammenhang von Medien, Politik und Meinungsbildung lesen möchte, kann das hier tun.

Oh, du sonder-/wunderbare Statistik

Die meisten Menschen, die sich für Psychologie und angrenzende Themen interessieren, tun das vermutlich nicht wegen statistischer Fragen

Andererseits: Statistik kann Leben und Verstand retten.

Dazu hier auf die Schnelle ein paar Hinweise:

Inzidenzzahlen in einem Artikel von Jens Berger. Und Leserantworten, die teilweise wichtige Ergänzungen liefern.

In der immer wieder angefachten Hysterie gehen beruhigende oder sachliche Standpunkte unter, wie zum Beispiel diese hier von Gerd Gigerenzer. Hier, oder hier, oder hier.

Ein Kurs: Methoden und Statistik

Was bedeuten die fantastischen 95 Prozent Wirksamkeit von Impfstoffen?

Was sich so großartig anhört, sagt wenig bis nichts über den individuellen Nutzen einer Impfung aus. Wie viele Menschen müssen geimpft sein, damit eine Person geschützt ist?

Interessante Fragen und noch interessantere Antworten liefert das RWI – Leibniz-Institut für Wirtschaftsforschung, das hier üblicherweise nicht so häufig zitiert wird.

Die Wissenschaftlichkeit der Wissenschaften in Gefahr?

Methodenlehre und Statistikkurse waren einmal harte Schulen des Denkens und der Einübung in die selbständige Analyse empirischer Arbeiten. Gleiches galt für die Konzipierung von Untersuchungs- und Forschungsdesigns. So sehr man auch über die Menschenferne dieses Teils der Psychologie fluchen mochte, so wichtig war und ist er jedoch, um sich vor Missverständnissen und Verzerrungen mittels manipulierter Zahlen der Wahrheit zu schützen.

Nun scheint solche Art Redlichkeit und Solidität auf dem Müllhaufen der Wissenschaftsgeschichte zu landen. Mit der Corona-Pandemie oder vielleicht doch eher mit der Corona-„Pandemie“?) werden wir tagtäglich mit Verdrehungen und Stimmungsmache auf vermeintlich wissenschaftlicher Grundlage konfrontiert. Einige der entstellenden Methoden sind hier und hier dargestellt.

Weiterlesen „Die Wissenschaftlichkeit der Wissenschaften in Gefahr?“

Bescheidenheit empfehlenswert

Fehlschläge von Prognosen legen nahe, dass Untersuchungen nicht das messen, was wir zu messen meinen

Wissenschaftlich unterfüttert wird solcherlei Expertenskepsis von dem amerikanischen Psychologen Philip Tetlock, der über 20 Jahre hinweg 28.000 Prognosen von fast 300 Experten aus Politik, Wirtschaft und Militär auswertete und dabei zu dem Ergebnis kam, dass Spezialisten keine besseren Voraussagen treffen als gutinformierte Laien. Es spielte dabei auch keine Rolle, ob ein Experte einen Doktortitel hatte oder nur das Vordiplom. Und schlimmer noch: Die Experten schätzten ihre Prognosen auch noch besser ein, als sie tatsächlich waren.

Hier eine Sammlung weiterer Irrtümer

Wie die Empirische Bildungsforschung intellektuelle Armut erzeugt

Oder: Wie schlampige Methodenanwendung Erkenntnis verhindert

Deshalb führt der Weg der immer stärkeren Standardisierung von Bildung – getragen von einem nicht hinterfragten Glauben an die mathematische Modellierbarkeit des menschlichen Geistes – das Schulsystem in eine Kultur der intellektuellen Armut.

So lautet das Fazit des Mathematik-Didaktikers Wolfram Meyerhöfer. Anschaulich macht er seine Kritik unter anderem folgendermaßen:

Wenn ein Kochlehrling A einen exzellenten Braten machen kann, ein andererLehrling B hingegen eine wunderbare Quiche, dann kann die Empirische Bildungsforschungnicht einfach das Essen genießen. Die Lehrlinge müssen unbedingt in eine Kompetenzreihenfolge gebracht werden, das ist das zentrale Ziel der Kompetenzmodelle. Dazu lässt man viele Lehrlinge Braten und Quiche herstellen. Wenn viele Lehrlinge einen guten Braten hinbekommen und wenige Lehrlinge eine gute Quiche, gilt der Quiche-Meister B als der bessere Koch. Dieses Ergebnis ist empirisch fundiert und nachgerade objektiv. Wenn Sie also Braten-Fan sind und im Exzellenz-Lokal der Empirischen Bildungsforscher essen, dann zeigt Ihr Unwille gegenüber dem schlechten Braten dem Forscher lediglich, dass der Empirie Ihres Gaumens keinerlei Signifikanz zukommt.

Wer sich nicht mit Geschmacksfragen und Meisterköchen zufrieden geben will, sollte den vollständigen Artikel lesen.

All das ein Hinweis darauf, dass Wissenschaftlichkeit nicht unbedingt Erkenntnis und Problemlösung schaffen, wohl aber Geldbeschaffung für eine gewinnorientierte „Bildungs“industrie. Das wirft die Frage auf, ob solche Forschung und die Anwendung ihrer Ergebnisse überhaupt noch mit dem Grundgesetz und mit den Landesverfassungen vereinbar sind.

Die Hattie-Studie eignet sich nicht zur Erlösung von den Problemen der Schule

Zu reden ist über die Hattie-Studie, die nicht zuletzt von der »Zeit« (hier und aktuell hier) mit viel Sympathie ins Volk getragen wurde. Sie war für eine Vermarktung gut geeignet. Sie kommt sensationsheischend und im revolutionären Gestus daher: Jetzt aber Schluss mit den esoterischen Empfehlungen der heimischen Pädagogen. Sie spekuliert auf einen antibürokratischen Komplex in Leser-, Eltern- und Lehrerschaft. Sie legt nahe, die pädagogischen und sonstigen Probleme der Schule ließen sich beheben oder mindern, wenn wir im Wesentlichen auf den Unterricht, also auf den Lehrer schauten. Mit der so genannten Hattie-Metaanalyse, eine Studie, die die Ergebnisse einer Vielzahl von Studien zusammenfasst, lässt sich vor allem neoliberal kostengünstig und frei von Sinnfragen des Lehrens und Lernens Schule (weiter)machen – Schluss mit dem Gedöns von Schulstrukturreformen, kleinen Klassen etcetera. Die schwerwiegenden methodischen Pferdefüße werden erst später sichtbar, wenn der erste Coup – »wir haben die Lösung« – gelandet ist.
Georg Lind, wie vor ihm schon Hans Brügelmann und Ewald Terhart zeigen auf unterschiedliche Weise, wo die Grenzen der Hattie-Studie liegen. Ihre Beiträge sind eine Bereicherung für jedes Methodenseminar in Pädagogik und Psychologie.

Die Beiträge der Wissenschaftler wurden der Website Forum kritische Pädagogik entnommen