Wie modernes Verwaltungshandeln und unverarbeitete Widersprüche Fachlichkeit gefährden

Schule und Beratungssysteme zwischen Selbst- und Fremdbestimmung

Voll die Verantwortung – eingeschränkt die Gestaltungsmöglichkeiten

Die Wirklichkeit der Schule und – weniger im Blick der Öffentlichkeit – der Beratung in und für Schule ist von Widersprüchen gekennzeichnet, die die Betroffenen und Beteiligten sich fragen lassen, ob sie eigenen und fremden Ansprüchen an die Fachlichkeit ihres Tuns genügen können. Und das, wo doch Kommentierungen der regelmäßig auf den Markt der Skandalisierung und politischen Instrumentalisierung geworfenen Untersuchungen (PISA a bis z) Glauben machen, nun solle doch endlich allen Beteiligten klar sein, dass die Reform zu beginnen habe. Schließlich ist mittlerweile im zehnten Jahr der Stillstand konstatiert.

Stattdessen erleben die Praktiker und Praktikerinnen, wie sie mit hohem Einsatz, Fortbildungsengagement etc. an die Grenzen ihrer Möglichkeiten kommen, andererseits aber wachsende Teile der Kinder und Jugendlichen Schule nicht als einen Ort erleben, an dem sie sich entwickeln können. Weiterlesen „Wie modernes Verwaltungshandeln und unverarbeitete Widersprüche Fachlichkeit gefährden“

Methodenartefakte machen Politik

Man reibt sich die Augen. Mit einem Schlag gehören Berliner Abiturienten zu den besten Schülern, holen die bayerischen Spitzenreiter ein. Nach Jahren der Spitzenreiterrolle Bayerns, was nicht wenig zu seiner Imagepflege und zur Beweihräucherung des bayerischen Weges – gliederndes und ausgliederndes Schulsystem – ausgenutzt wurde, kommt heraus, dass mit unterschiedlichen Maßstäben gemessen wurde. Die Bildungsverwaltung Berlin hat einfach die bayerischen Maßstäbe angewandt. Warum haben Politik, Medien und Wissenschaft in der Vergangenheit dazu geschwiegen? Oder – falls irgendwo darüber geschrieben oder gesprochen wurde – warum wurde diese gravierende Ungleichheit nicht öffentlich? Dass mit der Aufdeckung dieses methodischen Fehlers noch nichts über die Qualität der Ergebnisse in Bayern und Berlin gesagt ist, versteht sich.

Hier der Artikel Berliner Abiturienten holen bayerische Schüler ein

Wider die Allüre der Fachsprache

»Statt Erkenntnis zu demokratisieren und in gesellschaftliche Debatten einzugreifen, schottet sich die Sozialwissenschaft mit einem elitären Geheimcode ab«

Verständlichkeit und gesellschafltiches, demokratisches Engagement finden in der Bundesrepublik nur ausnahmsweise statt. Auch ein Problem für Schule und Schulpsychologie. Erkennbar zum Beispiel am Niveau, wie an den methodischen Unzulänglichkeiten vorbei wissenschaftliche Untersuchungen auf den Markt der politischen Klientelpolitik geworfen werden. Franz Walter hat das Thema kürzlich in einem Zeitungsartikel aufgegriffen

»Dabei verstecken sich alle hinter den vermeintlichen Sachzwängen einer vermeintlichen Fachlogik und der analytischen Schärfe ihrer vermeintlichen Fachsprache. Dabei ist gerade der Jargon des sozialwissenschaftlichen Fachsuahelis unendlich karg und anschauungsarm. Überhaupt kommt gegenwärtig gerade der ebenso dröhnende wie aufgeplusterte Exzellenzdiskurs an den Universitäten mit sechs oder sieben denkbar anämischen „Müllschluckerwörtern“ (Botho Strauß) aus. „Innovation“ gehört immer noch dazu, „Optimierung“, „Ressource“, „Komparatistik“, „Entwicklungsdynamik“, „Profilbildung“, „strukturbedingte Determiniertheit“. Wer mit diesen sprachbarbarischen Retortenbegriffen schwungvoll zu jonglieren vermag, kann in kürzester Zeit alle möglichen, als wissenschaftlich drapierten Projekte schmieden und hinreichend inspirationslose, daher höchst erfolgsversprechende Drittmittelprojekte kompilieren. Kaum jemand an der Universität hat dann den geringsten Zweifel, dass es sich bei diesen verlässlich gleichklingenden Elaboraten ganz fraglos um internationale Spitzenforschung handeln muss.«

Wider die Allüre der Fachsprache

Neue Gesellschaft für Psychologie mit interessanten Themen

Kongress im März 2011 zur Rolle der Psychologie in einer sich grundlegend verändernden Gesellschaft

Dass es die Neue Gesellschaft für Psychologie gab und gibt war mir bekannt. Leider habe ich nicht gewusst, wie nah dieser Verband an den psychologisch bedeutenden Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung ist. Ein Beleg dafür ist allein schon der »Call for Papers« für den Kongress im nächsten Jahr. Ein anderer Beleg ist die  neue Ausgabe des Journal für Psychologie

Open Acces fördert Debatte und Qualität / Was ist Beratung?

Die Neue Gesellschaft für Psychologie und ihre Zeitschrift „Journal für Psychologie“ beteiligen sich an dem Projekt des freien Zugangs zu Fachartikeln

Damit wird es leicht, sich zu informieren und wichtige Artikel unkompliziert zur Verfügung zu haben. So sind beispielsweise mehrere anregende Aufsätze zum Thema »Beratung« in der Ausgabe 1 / 2009 zu lesen.

Immerhin ist der Beratungsbegriff – auch in der Schulpsychologie und in der Schulberatung – vielfältig bis diffus und keineswegs vor dem Missverständnis geschützt, dass doch jeder Mensch beraten könne. Und zudem kommt es immer wieder vor, dass Institutionen mit Beratungsauftrag für bestimmte Zwecke instrumentalisiert werden. Dass damit Prinzipien wie Freiwilligkeit, Allparteilichkeit, Ergebnisoffenheit verletzt werden und die Vertrauensbasis – ein anderes zentrales Beratungsprinzip – riskiert werden, geht nicht selten auch den Experten durch. Eine Vergewisserung der Berufsgrundlagen kann da nur guttun.

Hier ein Auszug eines Aufsatzes, den ich für lesenswert halte: Weiterlesen „Open Acces fördert Debatte und Qualität / Was ist Beratung?“

Wie Bildung und der Rest in den Abgrund gespart werden

Warum Sparen gefährlich und die schwäbische Hausfrau in diesem Fall kein gutes Beispiel ist

Auszug aus einem Artikel der Nachdenkseiten vom 11.6.2010. (Hier der Link zum ganzen Text: (Quelle: Nachdenkseiten):

Ein Gastwirt beklagt sich über weniger Umsatz und immer weniger Gäste. Seine Finanzen sind nicht in Ordnung, er muss sparen. Das meint er zumindest. Er beschließt also als erstes, dass er seine Tische weniger dekorieren wird, Kerzen und Tischdecken kosten nur unnötig Geld. Die Folge ist weniger Gemütlichkeit, weshalb noch weniger Gäste kommen und der Umsatz weiter einbricht. Weiterlesen „Wie Bildung und der Rest in den Abgrund gespart werden“

Bildungschancen von Migrantinnen und Migranten

Die Broschüre des paritätischen Gesamtverbands

zeigt in knapper Form wo Schule einen großen Nachholbedarf hat. Aber nicht weniger hat die Gesellschaft einen Nachholbedarf. Um der Lebensfähigkeit der Gesellschaft willen, muss sich Schule weiterentwickeln. Schule soll unter anderem ein Integrationszentrum werden.

Hier geht es zur Broschüre: Bildungschancen von Migranten und Migrantinnen

Das Ende der Reformpädagogik? Die Odenwaldschule auf dem Prüfstand

Ein lesenswertes Manuskript von Ulrich Herrmann

In dem Manuskript einer SWR-Radiosendung schaut Ulrich Herrmann noch einmal genau hin. Er macht deutlich, dass die Debatte um Missbrauch an Reformschulen auch den Aspekt gehabt haben könnte, ein pädagogisches Konzept zu beschädigen. Und gleichzeitig scheut sich der Autor nicht, einige Mängel und Nachlässigkeiten der Reformpädagogik aufzuzeigen.  Hier ein erstes Zitat und dann der Link zum Artikel: Weiterlesen „Das Ende der Reformpädagogik? Die Odenwaldschule auf dem Prüfstand“

Tempo, Tempo

Wie Lernen als Drill zunimmt und wie Kinder und Lehrer sich vom Lernen entfernen – und damit auch von sich selbst

»Wir müssen damit rechnen, dass wir an den Rändern der Gesellschaft immer mehr Menschen verlieren, weil sie nicht die nötige Geschwindigkeit zum „take-off“ aufbringen.« Peter Hartz, Mitbegründer von Hartz IV, in: Job Revolution. Wie wir neue Arbeitsplätze gewinnen können. FAZ Buchverlag

Auch wenn die Datenbasis eines einzelnen Beraters oder einiger Berater oder Beraterinnen zu schmal ist, um wissenschaftlich aussagekräftig zu sein, so verstärkt sich doch der Eindruck, dass der Druck auf alle an Schule Beteiligten zunimmt – und jeder an der Schraube mitdreht. Das Wissen, dass Lernen und Erziehung Zeit brauchen, ist fast allen (noch) bekannt. In der Praxis aber ist die Versuchung groß, sich darüber hinwegzusetzen. Weiterlesen „Tempo, Tempo“