Faktische soziale Exklusion mit überwältigender Inklusionsrhetorik

„Studien weisen nach, dass unter den gesellschaftspolitischen Bedingungen wachsender sozialer Ungleichheit Angehörige der oberen sozialen Schichten zunehmend sozial schwache Bevölkerungsgruppen ausgrenzen. Die sozial „abgehängten“ Schichten reagieren auf den Verlust sozialer Teilhabe und dem daraus resultierenden Mangel an politischen Wirksamkeitsüberzeugungen mit Hoffnungslosigkeit und Desinteresse an politischer Partizipation.“

Der Artikel kann auch über das Forum Kritische Pädagogik bezogen werden.

Wie der entfesselte Markt Bildungschancen frisst

Unter anderem sind es die Bildungs- und Sozialpolitik, die unter dem Diktat der Finanzmärkte und der ihnen untergeordneten Politik leiden — so sprach Frau Merkel davon, dass es darum gehe eine marktkonforme Demokratie herzustellen und nicht etwa einen demokratiekonformen Markt oder eine demokratiekonforme Wirtschaft. Bei allen Strukturveränderungen im Bildungswesen und Sozialwesen geht es letztlich darum, sie den Rentabilitätsinteressen der Investoren unterzuordnen, möge auch noch so viel von Chancengerechtigkeit, Eigenverantwortung, Fördern und Fordern gesprochen werden.

Kurz und prägnant zeigen das zwei Dokumente, die frisch erschienen sind.

Das Volk wird zum Störfaktor (Frankfurter Rundschau) und

Der ökonomische Putsch oder Was hinter den Finanzkrisen steckt (Deutschlandfunk)

Es wird deutlich, dass für den normalen Menschen immer weniger übrig bleiben wird

Bildung als Anpassung

Für Schulpsychologie – sofern sie denn ihre emanzipatorischen Potenziale erhalten und entwickeln soll – ist es nützlich und eine Voraussetzung ihrer Handlungsfähigkeit, dass sie sich ein Bild vom Bildungssystem macht. Wo steuert es hin? Wer steuert es? Welches sind die Leitlinien, die offiziell und halboffiziell verlautbarten und die verborgenen? Hier sorgt ein älterer, aber immer noch aktueller Artikel von Jochen Krautz, Bildung als Anpassung, für mehr Klarheit.

Missverständnisse über das Menschenrecht auf Zugehörigkeit

Interview mit Reinald Eichholz:

„Man gewöhnt sich aufgrund der Behindertenrechtskonvention an, bei Inklusion nur an die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung zu denken. Sobald man sich den menschenrechtlichen Hintergrund klar macht, steht aber fest: Inklusion meint alle. Jedes Kind hat das Recht dazu zu gehören, und zwar unabhängig von jeder Art der Verschiedenheit. Die Konvention verlangt, dass das nicht nur als verbindliche Vorgabe anerkannt wird; dieses Recht soll sich den Kindern im Schulalltag als „sense of belonging“, als Gefühl der Zugehörigkeit, mitteilen, nicht zuletzt eine Frage gelebter Demokratie. Die „Kultur des Behaltens“ ist dafür eine gute Richtung.““

Hier das ganze Interview bei bildungsklick

und hier noch eine Anmerkung: Weiterlesen „Missverständnisse über das Menschenrecht auf Zugehörigkeit“

PISA verstehen, PISA kritisch betrachten – Pädagogik retten

Probleme der Kompetenzorientierung

Auf der Site des Verbands Bildung und Wissen finden sich unter anderem eine Reihe von lesenswerten Artikeln über eine grundsätzlich problematische Orientierung des Schulwesens. Letztendlich läuft sie darauf hinaus, Schule von ihrem Anspruch zu entkernen, verantwortungsfähige Menschen zu bilden. Stattdessen geht es darum, sie für den »Homo oeconomicus« einzurichten. In einem anderen Artikel wird PISA als Geldquelle für die Testindustrie beschrieben.

Hier pisakritische Artikel

Hier ein Beispiel:

»Nach der neuen Kompetenzorientierung wir der Lehrer zum Lernprozessbegleiter degradiert, der nur noch Lernarrangemenst bereitstellt, den Rest macht der Schüler selbst. Wissensvermttlung verboten! Der Einfluss der Lehrerpersönlichkeit auf den Unterrichtserfolg rückt dabei gänzlich in den Hintergrund.«

Kompetenzorientierung – vom Tiger zum Bettvorleger

Veranstaltungshinweis

der Gesellschaft für Bildung und Wissen

Auf der Tagung in Frankfurt am 24. März 2012 soll es darum gehen, was im Kontext dieser Reformen derzeit alles zum Nachteil von Bildung und Wissen den Schulen ohne Rücksicht auf die vielfältige Kritik von nahezu allen an der Bildung Beteiligten von oben herab verordnet wird.

Auf der Website finden sich darüber hinaus reichlich anregende Analysen und Meinungen,  von Andreas Gruschka, Jochen Krautz, Konrad Paul Liessmann und anderen.

Steuerung statt demokratischer Entwicklung. Ergebnis: Frust und Reibungsverlust

Dem Anschein nach gibt es eine einzige und damit selbstverständlich »alternativlose« Form der Beratungsorganisation, die im Zuge der Inklusionsumsetzung zu realisieren ist, wenn REBUS und neuerdings die Fusion der REBUS mit den noch zu gründenden Bildungszentren propagiert werden. Alles soll effizienter werden, Eigenständigkeiten sollen gewahrt bleiben – warum dann die Fusion? – Alles wird vorbildlicher, und noch dazu für die ganze Republik. Was in den wenigen Diskussionsgelegenheiten erkennbar wird, ist, dass die Fusion eine politische Vorgabe ist. Einen inhaltlichen Entwicklungsprozess durch Kommunikation gibt es nicht.
Wie bei Reformen der Schule häufig geht es nicht darum, endlich die Bedingungen für ein personenbezogenes Lernen zu schaffen, sondern darum, Steuerung und Kontrolle im Schulsystem zu erhöhen, und zwar im Sinne eines unternehmerischen, auf Rentabilität orientierten Modells. Im Namen der Übersichtlichkeit und des Abbaus von bürokratischem Wildwuchs, werden Organisationen geschaffen, die Eingriffe und Steuerung erleichtern (sollen). Das spricht manche Wünsche, auch pädagogische, sowie Ressentiments an: Muss nicht wirklich etwas geschehen angesichts der wachsendenden Störungen im Schulsystem? – In diesem Sinne hat sich dann auch Beratung zu formieren. Weiterlesen „Steuerung statt demokratischer Entwicklung. Ergebnis: Frust und Reibungsverlust“