Erziehungswissenschaftler’innen stehen auf. Macht noch wer mit?

Unter äußerst schwierigen medialen Bedingungen und im vergifteten Klima der öffentlichen Debatten, wagen es einige Erziehungswissenschaftler’innen, die massenhafte Impfung von gesunden Kindern zu verurteilen. Danke für den Mut, verbunden mit der Bitte an Lehrer’innen und Berater’innen sich an Debatten im Sinne dieser Positionen zu beteiligen.

Sie heben sich positiv von den Psycholog’inn’en ab, die an der Schock- und Angststrategie und an den Manipulationen zur „Verbesserung der Impfbereitschaft“ mitarbeiten. Dieses, wie ich finde unethische, Handeln hatte sich ja auch schon in einige Psychologieverbände vorgearbeitet.

Das Beste zu wollen und davon auszugehen, dass unsere Regierungen und Institutionen die Guten sind, reicht ganz offenstichtlich nicht für die Legitimierung persönlichen und kollektiv-beruflichen Handelns aus. Eine Verschmelzung der Psycholog’innen mit den Autoritäten und Mächtigen kann in Abgründe führen. Ich gebe zu: nach Durchlaufen schulischer und universitärer Ausbildung und Sozialisation mag man sich für qualifiziert halten, gute Arbeit zu leisten. Dafür ist es notwendig, sich mit den Fehlleistungen der Psychologie, wozu ganz sicher auch ihre Anschmiegungen an die Mächtigen gehören, zu befassen. Ich habe dazu mal etwas über Hans Lämmermann aufgeschrieben, der manchen als Gründungsvater der Schulpsychologie gilt.

Man muss sich schon fragen, von welchen Anreizsystemen der Mächtigen wir umgeben und für welche wir ansprechbar sind.

Die Entkernung des Solidaritätsbegriffs

Misstrauen als neue Lebensweise?

Dass die Coronamaßnahmen der Politik mit der Art ihrer Begründung – mit der Ausblendung kritischer Stimmen, mit methodischen und methodologischen Unzulänglichkeiten der Datenerhebung, die keiner Reparatur unterzogen werden – die Grundlagen der Republik und unseres Zusammenlebens in Richtung Obrigkeitsstaat und Demokratieabbau verschieben, kann kaum mehr bezweifelt werden. Andererseits – aber auch zu dieser Entwicklung passend – haben es Stimmen schwer, überhaupt Gehör zu finden, die auf die möglichen Folgen dieser Verdrehungen hinweisen.

Angsterzeugung

Eine besonders perfide Strategie scheint jene systematischer Angsterzeugung zu sein, gekoppelt mit Propaganda von Werbefilmchen. Dagegen meldet sich Matthias Rudlof (Institut für ganzheitliche Entwicklung und Bewusstsein) zu Wort. Unter anderem kritisiert er eine neue Normalität der sozialen Distanzierung, der Furcht vor Mitmenschen und vor Krankheiten. Der Solidaritätsbegriff werde seines traditionellen Inhalts beraubt und einem Herrschaftsinteresse einverleibt:

Wahre Solidarität bedeutete in der Geschichte immer das beherzte Engagement von Menschen für Menschen und die Überwindung sozialer Ungleichheit durch Herrschaftskritik. Nun soll Solidarität im Kriegsnarrativ des harten gemeinschaftlichen „Kampfes gegen den Virus“ bedeuten, sich ohne kritischen Widerspruch mit der Weltsicht der Herrschenden und ihren Coronamaßnahmen zu identifizieren.

Angsterzeugung als Herrschaftsmittel

»Demokratie geht nämlich nicht nur mit einem Versprechen einer gesellschaftlichen Selbstbestimmung einher, sondern auch mit einem Versprechen einer größtmöglichen Freiheit von gesellschaftlicher Angst. Demokratie bedeutet also den Verzicht auf eine der wirksamsten Herrschaftstechniken überhaupt: der systematischen Erzeugung gesellschaftlicher Angst.«

In einem ausführlichen und interessanten Interview stellt der Psychologe Rainer Mausfeld einen Zusammenhang zwischen Neoliberalismus, Angst (-erzeugung), Demokratie und Macht her. Das wirft Fragen und Anreize zum Nachdenken auf, zum Beispiel: Welche Rolle spielt Schule in diesem Prozess, welche Rolle übernimmt Schulpsychologie und -beratung dabei?