Mit dem Transhumanismus das widerspenstige Subjekt überwinden?

Kaum jemand möchte glauben, dass Psychologie und Pädagogik zu einer Maschinerie der Enthumanisierung werden könnten. Eher sind sie doch für viele Menschen geradezu Kern von Humanität und Schlüssel zu einer besseren Welt. Auf der Agenda der Weltverbesserung standen Schule und Erziehung immer weit oben, wie zum Beispiel Heinz-Elmar Tenorth beschreibt (1). Bei allen Unterschieden in den Ansätzen von Therapie und Beratung ist die Idee einer humanistischen Psychologie ein gemeinsamer Nenner vieler Psychologinnen und Psychologen.

Andererseits: Die Tendenzen und Trends zu einer »totalen Institution« (Goffman, kurze Erläuterung hier), einer vollständigen Vereinnahmung des Individuums durch Institutionen, bis hin zur „meta-Institution“ einer formierten Gesellschaft, die mit Hilfe einer von allen geteilten und durchgesetzten Ideologie Individualität und Spontaneität auslöscht. (Wir wollen freiwillig, was wir wollen sollen).

Julia Weiss befasst sich mit mit der Zukunft der Seele.

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Psychologen zur "Coronakrise"

Die Mainstream- und Qualitätsmedien sind sehr damit beschäftigt, uns auf den Kurs der Regierung(en) einzuschwören. (Selbst-) Disziplinierung und Folgsamkeit sollen der Weg sein, der zur Rettung führen soll. Analyse und Kritik sind in der (selbst mit hergestellten) Not nicht angesagt. Rubikon hat in den letzten Tagen einige Aufstätze von Psychologen veröffentlicht, die das bekannte Spektrum des Gesagten und Gesollten um Nachdenkenswertes erweitern.

So schreibt Andreas Peglau, wie sich mit Erich Fromm die augenblickliche Lage auch psychologisch und psychoanalytisch analysieren lässt

Denn sollten sogar diese nicht mehr gelten, bliebe nur eines: Wir müssten selbst denken, urteilen und entscheiden, uns möglichst umfassend und tiefgründig informieren, zwischen konträren Darstellungen abwägen, Spannungen und Wissenslücken aushalten, uns mit anderen auf Augenhöhe austauschen, kritische Fragen stellen – auch an „Experten“. Wir müssten möglicherweise sogar Widerstand leisten gegen etwas, das „von oben“ kommt.

Klaus-Jürgen Bruder schreibt über den Diskurs der Macht, der gerade auch in Corona-Zeiten nicht stillgestellt ist und das Potenzial hat, uns zu korrumpieren.

Wir denken nur noch: Wie schütze ich mich? Wie sorge ich vor, verbunden mit der Hoffnung, es wird bald vorbei sein – wir denken nicht mehr an anderes, was vorher wichtig gewesen war: die Wirkung der Ablenkung – von dem, was diese „Krise“ erst möglich gemacht hat. Das Gesundheitswesen war nicht darauf vorbereitet, keine ausreichende Vorsorge an medizinischen Schutzmitteln, durch „Sparpolitik“ verursachter Mangel an Personal und Kliniken. Die Panik des Kaninchens angesichts der unvorhersehbar aufgetauchten Schlange.

Georg Lind schreibt über Panik.

Ein altbewährtes, wirksames Gegenmittel gegen pathologische Panik ist und bleibt mit Immanuel Kant:

Sapere aude! Wage zu denken!

Angsterzeugung als Herrschaftsmittel

»Demokratie geht nämlich nicht nur mit einem Versprechen einer gesellschaftlichen Selbstbestimmung einher, sondern auch mit einem Versprechen einer größtmöglichen Freiheit von gesellschaftlicher Angst. Demokratie bedeutet also den Verzicht auf eine der wirksamsten Herrschaftstechniken überhaupt: der systematischen Erzeugung gesellschaftlicher Angst.«

In einem ausführlichen und interessanten Interview stellt der Psychologe Rainer Mausfeld einen Zusammenhang zwischen Neoliberalismus, Angst (-erzeugung), Demokratie und Macht her. Das wirft Fragen und Anreize zum Nachdenken auf, zum Beispiel: Welche Rolle spielt Schule in diesem Prozess, welche Rolle übernimmt Schulpsychologie und -beratung dabei?