Vielleicht ein Schritt in Richtung Aufarbeitung?

Vor ein paar Tagen wurde hier auf eine Kolumne von Michael Andrick verlinkt.

Er schrieb zu den Folgen und Tiefenwirkungen der Pandemiepolitik und forderte „Aufarbeitung“. Das Thema scheint eine Resonanz hervorgerufen zu haben. Inzwischen sind weitere Beiträge zum Thema erschienen. In der Berliner Zeitung heißt es, dass die Beiträge unter diesem Link erscheinen.

Beiträge sind erwünscht und können an diese Adresse gereichtet werden:

briefe@berliner-zeitung.de

Wie „traumasensibel“ sind Psychologinnen und Psychologen und ihre Berufsverbände?

Nach Monaten und Jahren einer defacto-Einheitsfront der Medien und der psychosozialen Fachverbände sickern mehr und mehr Berichte an die Öffentlichkeit, die die Unangemessenheit der politischen Pandemiemaßnahmen verdeutlichen. BDP und Gewerkschaften und Einzelpersonen haben mitgemacht. Was „damals“ mindestens ahnbar war, stellt sich heute als wahr heraus: Menschen jeden Alters wurde ihrer sozialen Bezüge beraubt, wer sich den Impfbedrängungen entziehen wollte, musste sich allerheftigste Beleidigungen gefallen lassen (im unten verlinkten Artikel) werden Beispiele genannt). Wir sollten davon ausgehen, dass das Spuren hinterlassen hat – unter Umständen mit traumatisierenden Wirkungen.

Psychologinnen und Psychologen, die ja durchaus sensibel für Traumata sein sollen, stehen vor der Aufgabe, sich damit zu befassen, dass sie womöglich an der Erzeugung von Traumata beteiligt waren. Wenn sie an einer Aufarbeitung nicht interessiert sind und sie nicht in Angriff nehmen, hieße das doch, dass an ihren guten Absichten, wie sie allenthalben bekundet werden, zu zweifeln wäre. „Aufarbeitung“ gehört doch zum Repertoire von Psychologie und Beratung, oder?

Hier geht es zum Artikel des Mitteldeutschen Rundfunks, in dem viele Materialien zum Thema versammelt sind.

Wo stehen wir, wo steht ihr?

Wenn das möglich war, ist alles möglich

Michael Andrick findet Worte (»Bis heute ist da eine Scheu und eine dicht unter meinem Alltagsbewusstsein lauernde Beklemmung, eklig und tagdurchseuchend«), die auch mein Befinden wiedergeben. Wenn auch andere so empfinden, müsste es doch um die Frage gehen: Wie weitermachen? Können wir so weitermachen, als wäre nichts gewesen, als brauchten wir uns nur mal eben zu schütteln? Und dann auf zum nächsten Casus belli?

Wir Bürger müssen erst mal wieder lernen, angstfrei und ergebnisoffen zu diskutieren. Dann kommen die Ideen, wie wir unser Gemeinwesen wieder vertrauenswürdiger machen können, von ganz allein. Ich schreibe jetzt ein kurzes Buch über Spaltung und Versöhnung, um mitzuhelfen.

Aufarbeiten, aufarbeiten, aufarbeiten …!

Heute wieder ein Hinweis auf einen Artikel, der weder ein schulpsychologisches noch ein schulisches Thema zum Inhalt hat – gleichwohl aber die Praxis von Schule und Schulpsychologie stark beeinflussen könnte. Und darüber hinaus, die Art und Weise, wie wir in dieser Gesellschaft zusammenleben werden.


Bernd Schoepe, auf den hier (gemeinsam mit seinem Kollegen Finn Jagow) schon hingewiesen wurde, befasst sich in einem längeren Aufsatz mit der Dringlichkeit einer Aufarbeitung der Corona-Pandemie und und mit der weithin spürbaren Abneigung, eben das zu tun. Er schlägt dabei einen weiten historischen und demokratietheoretischen Boden. Bedauerlich, dass solche Gedanken angesichts des Konzepts „des Fahrens auf Sicht“ (oder ist es vielleicht noch nicht einmal das?, denn tatsächlich handelt es sich wohl um ein Fahren im Datennebel) weder in den Qualitätsmedien, noch in den alltäglichen Debatten eine Rolle spielen.) Gleichermaßen beunruhigend und einer Aufarbeitung würdig ist demgegenüber die Bereitschaft zu Totalitarismus und Autoritarismus. Im Gegenzug ist das Erziehungsziel der Mündigkeit schwer infrage gestellt:


»Warum Mündigkeit so wichtig ist? Weil sie das Immunsystem unserer Demokratie ist! Die Aufgabe der Mündigkeit (im doppelten Wortsinn!) wäre daher auch das Thema oder genauer Gesagt die offene Wunde, die uns die Corona-Krise hinterlässt und die zu ihrer Aufarbeitung uns anhalten sollte.«

Soll auf dem Sediment der Scherbenhaufen der verwilderten, verängstigenden, isolierenden, auf Macht und Kontrolle basierenden Maßnahmen eine demokratische, solidarische Gesellschaft entstehen? Das wird nicht gehen. Gelingt die Aufarbeitung nicht, werden sich die Folgen der Deformierungen hinter unserem Rücken vollziehen und den Kreativitätsfluss und Gestaltung der Zukunft behindern.

Unbedingte Leseempfehlung.

Zu Beginn dieses Posts wurde auf die Untersuchung hingewiesen, die Bernd Schoepe und Finn Jagow mit Hamburger Schulklassen durchführten. Sie haben dazu eine Ergänzung verfasst. Unter anderem schildern die beiden Lehrer die Wirkungen ihrer Studie.

Die GEW Ansbach veröffentlicht auch zahlreiche rührende, nachdenkliche, analytische Texte von Götz Eisenberg