Aus gegebenem Anlass

Offener Brief eines Polizisten: Gedanken zum G20-Gipfel in Hamburg

Die Menschen, die ohne Obdach auf der Straße (er)frieren, oder die, die sich beim Discounter um die Ecke eine Packung Toastbrot und Käse klauen, um den Kindern Brote für die Schule zu machen. Ist es tatsächlich ihr Ernst, solche Schicksale tagtäglich zu dulden, um an zwei Tagen Milliarden von Euro für Ihr belangloses Stelldichein zu verschwenden, die in unseren sozialen Systemen besser angelegt wären?

Und nun werden wieder Millionen von Euro in Sachen Sicherheit in nur ein paar Tagen, für ein Event von ein paar Stunden, verheizt?

Kein Bildungsthema — jedoch von hohem Bildungswert

Feige, hinterhältig, menschenfeindlich, auf jeden Fall undemokratisch und zivilisatorisch niedrig stehend, werden von unseren politischen Leistungsträgern Menschen beschrieben, die einen Anschlag verüben, die sich rücksichtslos durchsetzen und nur ihre eigenen, absurden Ziele verfolgen. Gern werden das offene Visier, der Mut, die Risikobereitschaft, Offenheit, ja Weltoffenheit verlangt − nicht zuletzt von Schülerinnen und Schülern.

Da kommen einem die Tränen, wenn man liest, wie die Regierungsfraktionen ein Grundrecht kassiert haben. Sie haben das Grundrecht, das sie störte, einfach einem ganz anderen Gesetz aufgeschnallt und ihm so die Weihen der Mehrheit gegeben. So kann man natürlich auch die Demokratie in die Tonne kloppen. Nur bitte dann nicht mehr jammern, wenn sich Schüler und andere ganz hinterhältig und feige nur noch für ihren eigenen, persönlichen Vorteil interessieren. Und bitte, bitte, keine moralinen Reden mehr von offener Auseinandersetzung, Mut zur Offenheit und zum Risiko.

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„Kreuzbrave Studenten und miserabel bezahlter Nachwuchs“

Humboldt war zurecht überzeugt, dass der wissenschaftliche Fortschritt von einem egalitär angenäherten Lernprozess zwischen Studenten und Hochschullehrern bestimmt sein sollte. Humboldt wollte, würden wir heute sagen, den demokratischen Lernprozess zwischen Studierenden und Hochschullehrern.

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Kooperatives Lernen in der Systemfalle?

Es ist die Politik – oder der Zwang der Verhältnisse

Gerade fand ich einen älteren Artikel auf Bildungsklick. Zwanzig Jahre Kooperatives Lernen nach dem Konzept von Norm Green wurden gefeiert. Der Bericht von Brigitte Schumann zeigt, wie mit viel Engagement von Lehrerinnen und Lehrern, Eltern und vielen anderen ein Versuch der Humanisierung allmählich unter die Räder zu geraten droht. Vielleicht ist er dort auch schon gelandet.

Seinerzeit schien das Kooperative Lernen wie gemacht für den pädaogischen Erneuerungsbedarf und -willen, der nicht wenige Lehrer und Lehrerinnen ergriffen hatte. Die Bertelsmannisierung der Schule schien sogar einen „offiziellen“, genehmigten Rahmen für Neues zu schaffen. Wer wollte, konnte schon damals sehen, dass ein idealistischer Überschuss die reformerische Hand führte. Seine Kehrseite war die Entpolitisertheit gegenüber den Zielen und Zwecken der Schule im Allgemeinen und der bertelsmannschen Konzeption im Speziellen.

Es sind deren Regeln, Stellgrößen etc. die den pädagogischen „Spaß“ verderben und gegen den die Engagierten so unverdrossen, manchmal wohl auch bis zur Erschöpfung und Resignation anarbeiten − weitgehend entpolitisiert, wie es schon seit den 20 er Jahren des vergangenen Jahrhunderts Tradition ist. Das wäre ein anderes Kapitel. Allerdings: wer von der deutschen Version des Neoliberalismus und seinem Wirken auf Schule nicht reden will, sollte von der pädagogischen Erneuerung durch Kooperatives Lernen schweigen. Oder von Inklusion. Oder von Kompetenzorientierung. Oder …

Brigitte Schumann fordert zurecht einen „bildungspolitischen Transformationswillen“ von einem Ministeriumsvertreter − sollte dieser Wille aber nicht auch von den Beschäftigten gefordert werden? Einschließlich der Analyse dessen, was den Zwang der Verhältnisse ausmacht?

„Stärkungsgesetz“ schwächt Kinder und Jugendliche

Kürzungen bei den Schwächsten und Ärmsten − Treibmittel für Ausgrenzung und Desintegration

Man glaubt es nicht, was  da in der Regierung geplant ist, um angeblich Kinder und Jugendliche zu stärken. Fachlichkeit spielt keine Rolle mehr, wie hier in Bezug auf psychologische Beratung für Schule schon häufiger festgestellt wurde. Kürzungen, Herausnahmen aus Familien und Abbau präventiver Hilfen verschärfen Repression und den Fachkräften die Arbeit. Erosion, Desintegration, Wut und Feindseligkeit der Ausgegrenzten werden zunehmen. Inklusion bleibt eine Alibiveranstaltung. Mal sehen, was den Parteien, denen die Zukunft der Jugend am Herzen liegt (so hört man es dann und wann), in der Debatte noch einfällt.

Hier eine Wortmeldung, veröffentlicht in der taz

Psychoanalyse und Terrorismus

Radikalisierung als Form der Selbsttherapie

Jenseits der Strategien von Überwachung und Repression − mehr dem Ziel der Entdemokratisierung und Machtsicherung als der Demokratie und Emanzipation dienend − tauchen in Spezialsendungen der Medien gelegentlich Informationen auf, die das Nachdenken anregen. So heute im Deutschlandfunk in dessen Religionssendung.

Die Dschihadisten von heute kommen nicht umsonst vor allem aus den ehemaligen Kolonialländern Frankreich, Großbritannien und Belgien. Und die ehemaligen Kolonialmächte beteiligen sich bis heute an den Kriegen in vielen muslimisch geprägten Regionen. Diese Kontinuität bewirkt, dass die Idee des Krieges viele junge Menschen mobilisiert. Laut der dschihadistischen Theorie führt der Westen seine ‚Kreuzzüge‘ gegen den Islam bis heute fort.

Der Psychoanalytiker und Islamwissenschaftler Fethi Benslama spricht sich gegen ein Konzept der De-Radikalisierung aus. Das hält er für »Gehirnwäsche«. Solche Umerziehungsmaßnahmen, wie sie auch oft in Anti-Gewalt-Maßnahmen hiesiger Art vorkommen dürften, verkennen die tiefen, historisch und psychisch angelegten Verhaltens- und Erlebensweisen. Ernsthafte Arbeit der Persönlichkeits- und Institutionenentwicklung, jenseits der Funktionalitätskonzepte, wie sie heute − leider gerade auch in Schule − verbreitet sind, benötigt einen anderen Rahmen.

Weiterer Literaturhinweis

Hinweis auf Interview mit Arno Gruen

Bildung spaltet – mit staatlicher Förderung

Wie Verfassung und Inklusionsgebot unterlaufen werden

„Die gegenwärtige Verwaltungspraxis ignoriert diese verfassungsrechtlichen Vorgaben teilweise in einer Weise, die unseres Erachtens als ‚Missachtung‘ bezeichnet werden muss. Dies ist nicht nur aus rechtsstaatlicher Sicht besorgniserregend, sondern fördert eine Entwicklung, welche die ohnehin problematische soziale Segregation in den Schulen weiter forciert.“

Unerwartet krass fällt das Fazit einer Untersuchung aus, über die die taz berichtet.

GEW gibt einen Privatisierungsreport heraus

Private Bildungseinrichtungen gab es in Deutschland schon immer. Nicht selten auch gegründet und betrieben, um Defizite im öffentlichen Bildungswesen zu vermeiden und Reformalternativen zu praktizieren. Dazu kamen konfessionelle Einrichtungen mit ihren spezifischen Ansätzen. Hierbei entwickelten sich einige – vor allem pädagogisch – sinnvolle Alternativen, zumal die Arbeits- und Vergütungsbedingungen der Beschäftigten durchaus mit denen des öffentlichen Bildungswesens vergleichbar waren und nicht Gewinnerzielung der Grundzweck war. Das hat sich geändert: Das öffentliche Bildungswesen wird in die Zange genommen.

Hier geht es zum Privatisierungsreport