Franz ist anders als Ulrike oder: die „feinen Unterschiede“

»Unser Schulsystem entstammt in seiner Gliederung und Betriebsförmigkeit dem 19. Jahrhundert, aus der Zeit vor der Erfindung des Automobils, aber kein Mensch käme heute auf die Idee, mit den damaligen Benutzungsordnungen öffentlicher Wege und Straßen den heutigen Straßenverkehr regeln zu wollen.«

Inklusion oder die »feinen Unterschiede« könnte man auch sagen. Nach dem Lesen stellte sich mir die Frage: In welcher Art Schule hat Schulpsychologie einen Sinn − und welche Art Schulpsychologie passt zu welcher Schule?

Das ist ein Zitat aus einem zwölfseitigen Aufsatz von Ulrich Hermann, der hier nachzulesen ist.

„Ein Land – drei Generationen“. Eine Rezension

Helmut Becker-Behn hat gelesen, ist beeindruckt – und er berichtet davon. Es geht um das Buch
„Ein Land – drei Generationen“ von Wolfgang Schmidbauer aus dem Jahre 2009.

„Mir geht es sowohl um die Geschichte der Bundesrepublik, wie um die Dynamik deutscher Familien. Wenn es mir gelingt, die Aufmerksamkeit für das Ineinandergreifen von historischem Einfluss und prägender Beziehungsdynamik zu schärfen, vielleicht gar zu einem neuen Blick auf die eigenen Eltern anzuregen, habe ich meine Ziele erreicht.“

Ein Land – drei Generationen

Missverständnisse über das Menschenrecht auf Zugehörigkeit

Interview mit Reinald Eichholz:

„Man gewöhnt sich aufgrund der Behindertenrechtskonvention an, bei Inklusion nur an die Kinder und Jugendlichen mit Behinderung zu denken. Sobald man sich den menschenrechtlichen Hintergrund klar macht, steht aber fest: Inklusion meint alle. Jedes Kind hat das Recht dazu zu gehören, und zwar unabhängig von jeder Art der Verschiedenheit. Die Konvention verlangt, dass das nicht nur als verbindliche Vorgabe anerkannt wird; dieses Recht soll sich den Kindern im Schulalltag als „sense of belonging“, als Gefühl der Zugehörigkeit, mitteilen, nicht zuletzt eine Frage gelebter Demokratie. Die „Kultur des Behaltens“ ist dafür eine gute Richtung.““

Hier das ganze Interview bei bildungsklick

und hier noch eine Anmerkung: Weiterlesen „Missverständnisse über das Menschenrecht auf Zugehörigkeit“

PISA verstehen, PISA kritisch betrachten – Pädagogik retten

Probleme der Kompetenzorientierung

Auf der Site des Verbands Bildung und Wissen finden sich unter anderem eine Reihe von lesenswerten Artikeln über eine grundsätzlich problematische Orientierung des Schulwesens. Letztendlich läuft sie darauf hinaus, Schule von ihrem Anspruch zu entkernen, verantwortungsfähige Menschen zu bilden. Stattdessen geht es darum, sie für den »Homo oeconomicus« einzurichten. In einem anderen Artikel wird PISA als Geldquelle für die Testindustrie beschrieben.

Hier pisakritische Artikel

Hier ein Beispiel:

»Nach der neuen Kompetenzorientierung wir der Lehrer zum Lernprozessbegleiter degradiert, der nur noch Lernarrangemenst bereitstellt, den Rest macht der Schüler selbst. Wissensvermttlung verboten! Der Einfluss der Lehrerpersönlichkeit auf den Unterrichtserfolg rückt dabei gänzlich in den Hintergrund.«

Kompetenzorientierung – vom Tiger zum Bettvorleger

Hunger nach Sinn

Als sei es abgesprochen, erschien gestern auf den Nachdenkseiten ein Artikel von Götz Eisenberg, der zum Thema des vorangehenden Beitrag passt: Hunger nach Sinn.

Zugegebenermaßen ist letzterer umfangreicher und tiefgehender. Eingebunden ist der Text in eine Würdigung Alexander Kluges.  Und dieser wiederum steht »auf den Schultern« von Theodor W. Adorno. Es geht um Geschichte und Eigensinn, um die Macht der Gefühle  (“Menschen, die etwas nicht mehr aushalten, ertragen es noch lange. Dann plötzlich brechen sie aus – unerwartet und brutal!”), um »Sinnentzug. Eine gesellschaftliche Situation, in der das kollektive Lebensprogramm von Menschen schneller zerfällt, als die Menschen neue Lebensprogramme produzieren können.« Um Glück aus der Kindheit als Voraussetzung für Motivation des Erwachsenen. Lesenswert.

Depressive Symptome in der Schule

Auch bei den Kolleginnen und Kollegen der Schulpyschologie wird beim Thema »Depression« sehr stark auf ihren medizinischen und klinischen Begriff abgehoben. Diese Sicht infrage zu stellen, heißt nicht, ihn zu leugnen. Wie selbstverständlich wird jedoch die medizinische Nomenklatur und ihre Denkweise aufgenommen und vorausgesetzt. Nicht dass »Depression« keine medizinische, biologische oder klinische Seite hätte – nur sie zu sehen und sich auf ihr implizites Denk- und Theoriemodell einzulassen, hieße aber, Möglichkeiten der Interpretation und Einwirkung auszublenden. Weiterlesen „Depressive Symptome in der Schule“

Was könnte der Sicherung einer qualifizierten Beratung helfen?

  • Eigene Telefonnummer und eigener Eingang für Beratung
  • Etablierung von Beratung als anspruchsvolles und voraussetzungsreiches Mittel für persönliche und organisationelle Entwicklung
  • Kenntlichmachen und offener Umgang mit unterschiedlichen Beratungsverständnissen (etwa Pädagogik – Psychologie), gegebenenfalls mit ihrem organisatorischen Niederschlag
  • Strukturelle Repräsentanz des Tätigkeitsfeldes Beratung auf mehreren Leitungsebenen
  • Entwicklung einer Kultur der Beratung
  • Kontinuierliche und systematische Reflexion über die Beratungsarbeit und ihre Bedingungen
  • Enge Kooperation mit benachbarten Fachgebieten auf der Basis von Eigenständigkeit
  • Regelmäßiger Austausch mit vorgesetzten Ebenen
  • Rechenschaftslegung, Evaluation und Planung mit vorgesetzten Ebenen
  • Keine Vermischung der Beratung mit unterrichtlichen und schulaufsichtlichen Aufgaben.

Ist die geschützte Beratung am Ende?

Schulpsychologische (und andere) Beratung findet und fand in der Regel in Einrichtungen statt, die in ihrem Zweck eindeutig erkennbar sind/waren. Der besondere Schutz von Privatgeheimnissen ist ihnen in ihren Grundlagen eingeschrieben. Ohne ihn könnte der Zweck der Einrichtung nicht erfüllt werden. Der Charakter besonderer Vertraulichkeit ist mit solchen Einrichtungen eng verbunden. Die Geheimnisse des Ratsuchenden werden dem Berater / der Beraterin als Person mitgeteilt – nicht der Institution, sie werden in einer persönlichen Beziehung offengelegt.

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