Lehren als Lernbehinderung

Ein Vortrag von Klaus Holzkamp aus dem Jahre 1991: Lehren als Lernbehinderung?

Es geht unter anderem darum zu klären, in welchem Verhältnis Lehren und Lernen stehen. Wer ist Subjekt in diesem Prozess und wie? Man könnte nach zwanzig Jahren meinen, die Schule sei weiter. Weiter darin, dem Schüler mehr Verantwortung zuzugestehen. Rhetorisch ist die Schule heute zweifellos weiter. Aber geht es nicht immer noch darum, die Individuen dazu zu bringen, das freiwillig zu tun, was sie tun sollen? Und auch der Kritik an der modernen Kompetenzorientierung ist zu entnehmen, dass Schüler nach wie vor »defensiv« lernen und dass das moderne Lernen unter den Bedingungen intensivierter Rationalisierung und Steuerung durchaus nicht emanzipatorisch geworden ist.

„Jedes Kind ist hochbegabt“

Hüther will die modernen Erkenntnisse der Hirnforschung in die Bildungssysteme hineintragen, „damit sich dort jene Veränderungen umsetzen lassen, die eigentlich notwendig sind, damit unsere heranwachsende Generation die Herausforderungen des 21. Jahrhunderts meistern kann“.

Dabei räumt Gerald Hüther ein weiteres Mal mit der Vorstellung auf, es seien die Gene, die Hochbegabung »machen«. Den Hinweis habe ich über den Verteiler der Kritischen Psychologie erhalten.

 

 

Zukunft der Bildung

Bildung – gibt’s die noch?

Zumindest gibt es noch einige Wissenschaftler und Praktiker, die an ihren Wert erinnern, Definitionen unternehmen und sie von Ausbildung abgrenzen. Schule bewegt sich mehr und mehr in Richtung Ausbildung. Funktionalisierung statt Sinngebung ist die Folge, ebenso wie der Verlust von Persönlichkeit(sbildung) und Eigensinn. Stattdessen Orientierung an Standards und am Lernen für den Test. »Zehn Thesen zur Debatte um kompetenzorientierte Bildungsstandards« liefern Diskussionsstoff.

Wenn Bildung mit Werteerziehung zu tun hat(te) und mit einem Gewinn an Autonomie der Person, mit emanzipatorischen Potenzialen der Schule, so sind die heutigen Zustände eine Verkümmerung. Nicht zuletzt daraus entstehen Probleme, die allseits beklagt werden und mit wachsender Kontrolle gelöst werden sollen. Der Kongress »Irrwege der Unterrichtsreform« war ein Plädoyer für die Inhalte, für Wissen und eine Gegenrede gegen Häppchenpädagogik, Modularisierung und Methodenfetischisierung.

»Die Persönlichkeit des Lehrers soll herausgehalten werden«hieß es in einem Beitrag. Eine Bemerkung, die psychologische Berater hellhörig machen sollte — nicht zuletzt deshalb, weil es notwendig sein könnte, die eigene Ethik in der modernen Schule zu hinterfragen. Welche Zusammenschlüsse brauchen die professionellen Berater des Schulsystems, um ihre Ansprüche zu retten und – welche sind das?

Bildung als Anpassung

Für Schulpsychologie – sofern sie denn ihre emanzipatorischen Potenziale erhalten und entwickeln soll – ist es nützlich und eine Voraussetzung ihrer Handlungsfähigkeit, dass sie sich ein Bild vom Bildungssystem macht. Wo steuert es hin? Wer steuert es? Welches sind die Leitlinien, die offiziell und halboffiziell verlautbarten und die verborgenen? Hier sorgt ein älterer, aber immer noch aktueller Artikel von Jochen Krautz, Bildung als Anpassung, für mehr Klarheit.

Keine Psychotherapie an Schulen

Was vor einigen Wochen in der »Zeit« so plausibel und vernünftig erschien – Psychotherapie an Schulen anzubieten –  wird mit guten Gründen vom BDP abelehnt, sowohl von Psychologischen Psychotherapeuten als auch von Schulpsychologen. Die Gründe sind einleuchtend. Wieder einmal zeigt sich, dass es nicht schadet, fachliche Expertise einzuholen.

Langsame Prozesse

Die gesellschaftlichen Verhältnisse verändern sich – was tun die Professionellen?

Im Anschluss an den Kongress »Sozialpsychologie des Kapitalismus – zur Aktualität Peter Brückners« Anfang März 2012 fand ich einige interessante Artikel, die auch im Netz verfügbar sind. Klaus-Jürgen Bruder eröffnete den Kongress. Von Klaus-Jürgen Bruder gibt es hier weitere interessante Artikel, die auch für Schulpsychologinnen und Schulpsychologen und ihre Praxis interessant sein könnten: Sie befassen sich mit »Verdrängung der Frage nach dem Sinn«, mit Psychotherapie und Markt, Subjektvorstellungen.

Des Kaisers neue Kleider

Schaut man sich an, wie die Inklusion umgesetzt wird, wie neue Beratungsorganisationen durch Rangeleien an Behördenschreibtischen gegründet werden, kommt man aus dem Staunen nicht heraus. Fachlichkeit spielt keine Rolle, sondern nur ein schwer nachvollziehbarer politischer Wille, wie aus gut unterrichteten Kreisen zu hören ist. Wer glaubt denn, dass so etwas aufgehen könnte?

»Aber die haben ja gar nichts an«, möchte man ausrufen, als sei man in Andersens Märchen. Der Schriftsteller Ingo Schulze zeigt in einer Rede auf, dass der Betrug geschickt inszeniert und allem Anschein nach weit verbreitet ist. Unterhaltsam und lesenswert.