Autor: Redaktion
Folgen der Corona-Politik
Wir wissen wenig über die Folgen der Corona-Politik. Und ganz düster wird es, wenn wir die Systematik der Vor-Corona-Politik und der akatuellen Politik betrachten. Die aus dieser Systematik entstehenden „Lösungen“ sind nicht selten Lösungen, die schon in der Vergangenheit Lern-, Bildungs- und Sozialprobleme erzeugten. (Den schönfärberischen und verschleiernden Begriff der „Herausforderungen“ erspare ich mir hier.) Auf einer erhöhten Eskalationsstufe werden es wieder einmal die armen und die Mittel-Schichten sein, die einen hohen Preis bezahlen werden – aller Reden von Solidarität zum Trotz. Nachzulesen hier.
Die systematische Erzeugung von Einsamkeit ist ein markantes Krankheitsrisiko
Kollateralschaden Einsamkeit
Dass die Corona-Verordnungen einen erheblichen Kollateralschaden verursachen können, ist schon seit Längerem in der Diskussion. In einem Artikel auf Telepolis werden zahlreiche Untersuchungen zitiert, die die Risiken der Krankheit Einsamkeit zeigen.
Auf den Nachdenkseiten erschien eine Dokumentation mit persönlichen Erfahrungen mit den Corona-Erfahrungen. Ich denke nicht, dass man sie als irrelevante Einzelerfahrungen beiseite schieben sollte.
Die Hysterie in der Virusbekämpfung
selbst ist krankmachend und Ausdruck einer problematischen Angstverarbeitung. Es wäre wünschenswert, die Expert’inn’en aus den Sozialwissenschaften würden sich zu Wort melden und zu einer Beruhigung beitragen. Der methodisch fragwürdige Umgang mit Zahlen und Statistiken, den man sich in keiner Vordiplomarbeit leisten kann (oder konnte?), die irreführende Nutzung der »Neuinfektionen« zur Behauptung einer Welle etc. tragen keinesfalls zu einer Versachlichung bei. Und die werden wir brauchen. Irgendwann wird der Zeitpunkt kommen, an dem wir das kluge, aufgeklärte Subjekt brauchen und das instruierte, folgsame steuerbare, das unterworfene Subjekt die Nachbarschafts- und Menschheitsfragen nicht mehr beantworten kann.
Landesverband Schulpsychologie NRW mit neuer Website
Der Landesverband Schulpsychologie NRW
macht mit einer neuen Website auf sich aufmerksam. Sie ist frisch, informativ und lädt zum Verweilen ein. Hier als Beispiel ein Interview, dass die WAZ mit Uwe Sonneborn zu den Folgen der Pandemie-Politik führte.
Sind Jugendliche schuld an den steigenden Infektionszahlen?
Hier ein interessanter Einwurf von der Website der Freitag-Community
Kritik der Digitalisierung
Digitalisierung ist die neue Globalisierung.
Beide sollen uns die Erlösung von den Übeln bringen. Bis dann wieder die nächste Ernüchterung kommt. Beschönigend wird gelegentlich von Chancen und Risiken gesprochen, um sich „offen“ zu zeigen und verantwortungsbewusst. Tatsächlich aber wird an allen politischen und kommerziellen Schrauben gedreht, um die Gestalt der Digitalisierung durchzusetzen, die wir seit Jahren erfahren und das in wachsender Geschwindigkeit: Bindung an Konzerne, die keiner demokratischen Kontrolle unterliegen, die – vereint mit sogenannt fortschrittlichen und modernen Politikerinnen und Politikern – Menschen als Datenlieferanten betrachten und sie dafür immer umfassender überwachen.
Was in den Verlautbarungen aus Medien, Politik und Wirtschaft, die eher Werbefeldzüge und Propaganda sind, fehlt, sind tatsächliche und vermutliche Auswirkungen auf die digitalisierten Charaktere und auf die Persönlichkeitentwicklung. Davon bekommt man einen (Vor-) Geschmack, wenn man ein neues Buch von Marie-Luise Wolff liest. Hier kann man einen Auszug lesen.
Dazu kommt ein anderer gewissermaßen lebenswichtiger Punkt: Das gemeinsame Entwickeln von Lösungen wird immer schwieriger, da Menschen die Empathie füreinander verlieren. Wenn jedoch immer weniger Menschen noch die Geduld aufbringen, ihren Gesprächspartnern zuzuhören und zu warten, bis sie ausgeredet haben, dann wird ein gemeinsames Leben und Arbeiten an ein Ende kommen.
Danach wird man sich wohl nicht die beschwichtigende Phrase, dass alles seine guten und schlechten Seiten habe, vorsagen können. Eher stehen wir wohl vor der Frage, ob wir uns damit befassen wollen, in welcher Gesellschaft wir leben wollen. In einer kapitalistischen Kommerzgesellschaft wird das, was man früher unter einer humanistisch gebildeten Persönlichkeit verstehen mochte, keine Chance haben. Wo sind die Stimmen der Gewerkschaften und Berufsverbände? Hatten sie sich nicht einmal der Humanisierung verschrieben?
Die Wissenschaftlichkeit der Wissenschaften in Gefahr?
Methodenlehre und Statistikkurse waren einmal harte Schulen des Denkens und der Einübung in die selbständige Analyse empirischer Arbeiten. Gleiches galt für die Konzipierung von Untersuchungs- und Forschungsdesigns. So sehr man auch über die Menschenferne dieses Teils der Psychologie fluchen mochte, so wichtig war und ist er jedoch, um sich vor Missverständnissen und Verzerrungen mittels manipulierter Zahlen der Wahrheit zu schützen.
Nun scheint solche Art Redlichkeit und Solidität auf dem Müllhaufen der Wissenschaftsgeschichte zu landen. Mit der Corona-Pandemie oder vielleicht doch eher mit der Corona-„Pandemie“?) werden wir tagtäglich mit Verdrehungen und Stimmungsmache auf vermeintlich wissenschaftlicher Grundlage konfrontiert. Einige der entstellenden Methoden sind hier und hier dargestellt.
Weiterlesen „Die Wissenschaftlichkeit der Wissenschaften in Gefahr?“Kann Moral in der Arbeitswelt einen Platz haben?
Eine Buchbesprechung
Michael Andrick: Erfolgsleere, Philosophie für die Arbeitswelt, Verlag Karl Alber Freiburg/München, 2020. 206 Seiten, 15 EUR
Wir lassen uns am Nachdenken hindern
Michael Andrick beginnt mit einer einfachen Frage, die sich vermutlich schon viele von uns gestellt haben. Wie ist es möglich, dass viele Menschen Zweifel daran haben, dass ihr berufliches und ihr gesellschaftliches Handeln einen Beitrag zur Verbesserung der Welt liefern könnten? Dabei ist es doch so, dass viele Menschen mit den besten Absichten „starten“. Wie ist es möglich, dass unsere Lebensführung nicht geeignet ist, Einfluss auf den Lauf der Welt zu nehmen?
Es gibt nicht wenige markante Worte und Zeilen in Michael Andricks Buch, die einen innehalten lassen können. Einige davon sollen hier wiedergegeben werden. Vorab lässt sich sagen: Wir, jeder Einzelne, hat sich – so Andricks These – in seinem Nachdenken behindern lassen und somit auch in seinem Handeln. Damit wir mit uns „eins“ sein können, müssen wir jedoch willens und fähig sein, nachzudenken (Denken ist in Andricks Konzept nicht ausreichend, ebenso wenig wie Tun. Sie sind Ausdruck von Fremdbestimmung und Gedankenlosigkeit.)
Selbstaufgabe unserer Moralität
Unsere Moralität ist uns abhandengekommen, wir haben sie uns „abkaufen“ lassen. Wir haben dafür etwas (siehe weiter unten) bekommen, was vergiftet ist. Sicherheit und Zugehörigkeit haben wir für die Selbstaufgabe unserer Moralität bekommen. Wir finden das in der Regel beschämend, müssen aber dieses Resultat unseres Handelns angesichts der Normen von Ehre und Ansehen von uns und von anderen fernhalten – ein versteckter Hinweis auf andere mögliche Normen, oder eine Erinnerung an sie, könnte man hoffend meinen. Denkbar aber scheint auch, dass die Entwöhnung vom Nachdenken so weit „gelungen“ ist, dass auch Restskrupel nicht mehr den institutionalisierten Gang der Dinge stören können.
Nun waren die Menschen vergangener Jahrhunderte nicht unbedingt moralischer, schreibt Michael Andrick. Vielmehr befanden sie sich in einer anderen Wertewelt, sodass sich ihnen die Notwendigkeit, zwischen verschiedenen Werten abzuwägen und sich zu entscheiden, gar nicht stellte. Mit der „neuen Zeit“, die Michael Andrick als Industriegesellschaft bezeichnet, hatten „wir“ zwar (durch die Epoche der Aufklärung) das Fragen gelernt und die Rationalität zu einer Grundlage des Selbstverständnisses der Epoche gemacht. Gleichzeitig stieß sich das aber mit den (aus Rationalitätsgründen der Aufklärung) geschaffenen Institutionen, die je einen begrenzten Zweck zu erfüllen haben – und gleichsam nichts voneinander wissen oder miteinander zu tun haben.
Aufsatz zur Multiprofessionalität erschienen
Multiprofessionalität in der schulischen Beratungsarbeit ist wenig erforscht und evaluiert. Dennoch ist sie en vogue; sie wird als unausweichlich und unverzichtbar für höhere Qualität und Effizienz angesehen. Die Forderungen und Bereitschaften ergeben sich aus einer Melange staatlicher Steuerungsabsichten und aus Hoffnungen auf erhöhte Qualität, Abbau von Überforderung und aus Hoffnung auf – irgendwie – mehr Humanisierung. Die in diesem Aufsatz angestellten Überlegungen können allerdings zeigen, dass Multiprofessionalität unter den gegebenen politischen und gesellschaftlichen Vorstellungen von Mensch und Gesellschaft die anvisierten Verbesserungen in ihr Gegenteil verkehren können oder doch zumindest trügerisch sind.
Die Forderungen nach „mehr Multiprofessionalität“ wirken stichhaltig. Sind wir doch davon überzeugt, dass Problemlagen heute so komplex sind, dass sie den Einzelnen oder die Einzelne mit den spezialisierten Ausbildungen und Rollenzuschreibungen überfordern. Zudem sprechen solche Forderungen die Bedürfnisse nach Kooperation und Gemeinschaftlichkeit an. So gesehen könnte man glauben, die Forderung sei einem emanzipatorischen Geist entsprungen.
Der Artikel erschien im Handbuch der Schulberatung der mgo-fachverlage
»Warum wir den Mut brauchen, psychische Erkrankungen wieder in ihrem gesellschaftlichen Gesamtkontext zu sehen.«
heißt es im Artikel, auf den hier verlinkt wird.
Erfreulich, dass ein Artikel, der sich gegen die Gesellschaftsblindheit der Psychologie und Psychiatrie wendet, an prominenter Stelle, wie Spektrum, erscheinen kann.
Um so bedauerlicher, dass ein Denken dieser Art in deutschen Studiengängen, geschweige denn in Schulbehörden nur schwer zu finden ist.
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Unter den fünf, für das Ausstellen einer Depression erforderlichen Symptomen, muss gemäß DSM-5 zwingend eins der beiden Hauptsymptome auftauchen: Depressive Stimmung oder Verlust von Interesse und Freude.[1] Ist dies nicht der Fall, so ist es der Definition nach auch keine Depression. Für die Diagnose ist dabei die Ursache der Symptome unerheblich, es kommt lediglich auf ihre Präsenz oder Abwesenheit an. Dies macht es auch nebensächlich, ob die Symptome inmitten einer schweren Lebenskrise auftreten oder ohne äußeren, erkennbaren Grund. In beiden Fällen gilt die Person als depressiv erkrankt, diagnostiziert mit einer psychischen Störung.
An markanten Beispielen, wie der Deutung psychischer Erkrankungen von Frauen, zeigt die Autorin, wie zeit- und gesellschaftsgebunden psychologische Diagnostik sein kann:
Aus heutiger Sicht auf damalige Verhältnisse ist wohl allen klar, dass die Umstände an den Pranger gestellt werden müssen, nicht die Frauen selbst. Es wäre fatal, wenn jene Hausfrauen sich still und leise mit der Krankheit Depression identifiziert hätten, anstatt für bessere Lebensbedingungen auf die Straße zu gehen.
Lesenswert.