Krieg(sgefahr) – ein Thema für die Psychologie?

Jens Berger von den Nachdenkseiten rechnet mit der Ausweitung der kriegerischen Auseinandersetzungen um Syrien – ohne dass es allein um Syrien ginge. Tatsächlich aber geht es um Menschen, deren Leben akut bedroht ist. Der Westen marschiert.

Günter Rexilius hielt 1992 unter dem Eindruck des Golf-Kriegs einen Vortrag auf einem Kongress kritischer Psycholog’inn’en, den zu lesen sich lohnt.

Ökonomisierung der Schule treibt immer wieder neue Blüten hervor

Alleskönner in Hamburg wieder vorn

Noch vor einigen Jahren war das kein Thema. Seit 1963 existierte auf dem Grundstück eine dreizügige Grund-, Haupt- und Realschule mit rund 800 Schülern. Das neue Gymnasium und die dortige Grundschule hätten zusammen deutlich mehr Schüler, etwa 1.200. Dass der Platz heute dennoch als „zu viel“ gilt, liegt daran, dass der Schulbau inzwischen vollständig durchökonomisiert ist, und damit auch die Flächenbetrachtung.

Seit 2013 gehören alle Schul­immobilien dem Landesbetrieb Schulbau der Finanzbehörde, dessen Aufgabe es ist, diese „nach wirtschaftlichen Grundsätzen zu planen, zu bauen, zu unterhalten und zu bewirtschaften“. Die Schulen zahlen Miete an Schulbau Hamburg, der Bedarf geht nach „Musterflächenplan“.

Mehr dazu im taz-Bericht

 

Zwei interessante Fundstücke

Zwei ältere Texte, aber doch interessant

Bei diesem Text handelt es sich um eine Kritik des Kompetenzkonzepts, veröffentlicht bei Gesellschaft für Bildung und Wissen

und hier geht es um den Zusammenhang von Lernen und Zeit in einem Interview mit Heinz-Elmar Tenorth, veröffentlicht bei Deutschlandfunk Kultur

Wenn Widersprüche unangesprochen bleiben, leiden Denken und Fortschritt

Plädoyer für eine offensive Aufklärung

Debatten über die Ausgestaltung unserer Gesellschaft führen nicht selten zu Pattsituationen. Die politischen Gegner verhaken sich in ihren Argumenten, die eisern mit ihren grundsätzlichen Positionen verknotet scheinen. Die „Einheitsschule“ und die „Elitenschule“ schimmern bei schulischen Debatten rasch hervor. Unausgesprochen werden exemplarisch Debatten geführt, die in die große Abteilung des Streits um Zugehörigkeit und Ausgeschlossensein, um Herrschaft und Unterwerfung, um Teilhabe und Nichtteilhabe, um Chancen und Chancenlosigkeit, um Gleichheit und Ungleichheit geführt werden. Jenseits des Lagerstreits scheint es keine Bewegung geben zu können. Wobei man doch meinen könnte, dass es eine Mehrheit geben sollte, die von der Schule für alle profitieren können sollte. Weiterlesen „Wenn Widersprüche unangesprochen bleiben, leiden Denken und Fortschritt“

Zweifel am Sinn der Digitalisierungseuphorie

Was mal Globalisierung war, soll nun Digitalisierung werden: Eine Welle, der man nichts entgegensetzten kann und darf, die man nicht gestalten kann, die keine Risiken hat – der man sich nur unterwerfen kann. Will man nicht den Eindruck erwecken, man sei nicht mehr ganz bei Trost.

Die Schulen müssen digitalisiert werden. So heißt es landauf, landab und so gut wie unabhängig von sonstigen Positionen in der Bildungspolitik. Im Koalitionsvertrag sind fünf Milliarden Euro in den kommenden fünf Jahren dafür vorgesehen. Dass das kaum ausreichen wird, um alle Schulen und alle Schüler mit dem auszustatten, was man sich an Servern, Clouds, W-Lan-Anschlüssen und Endgeräten (Smartphones, Tablets, PCs) so vorstellt, geht aus einfachen Rechnungen hervor. Manche halten die dreifache Summe für nötig.

Es gab auf dieser Website schon kritische Stimmen, die davor warnten zu glauben, die Probleme der Schulen ließen sich per Digitalisierung lösen

Hier folgt nun eine weitere Stimme aus der FAZ

Nachdenken über Gesellschaftsblindheit in der Psychologie

Heiner Keupp animierte mich mit seinem Vortrag und Aufsatz »Das verlorene Selbst der Psychologie. Für die Überwindung der Gesellschaftsblindheit« zu einem eigenen Text. Der drohte mir aus den Fugen zu geraten, steht hier nun aber doch bereit, um gelesen zu werden.

Nachdenken über Gesellschaftsblindheit

Bildungsarmut – und wer profitiert?

Gepflegte Atmosphäre im Auditorium der Hafencity-Universiät. Kühler, sachlicher Beton, die Längsseite besitzt eine lange und hohe Glasfront. Weltoffenheit, wie die Architekten sie uns vorführen. Der Blick schweift über die Elbe, zu den Elbbrücken und zu den Hafenanlagen. Die Hafencity, ein am Reißbrett entstandener Stadtteil, mit Bürogebäuden und Wohnungen. Überwiegend im hochpreisigen Segment. Die Wände sind kahl, keine Parolen, keine Aufrufe. Die versammelten Expert’inn’en sprechen ruhig, wie vor einem Konzert. Das Thema: Illusion Chancengleichheit. Wer bleibt im Bildungswesen auf der Strecke?

Es handelt sich um die 8. Konferenz zur sozialen Spaltung in Hamburg. Von der Spaltung bekommen wir hier und bei der Anreise im Stadtteil nur eine Seite mit. Ein Ort der Geldanleger  und der Vermarktung moderner Stadtpolitik. Von der anderen Seite der Spaltung erfahren wir, wenn wir von den dunklen Seiten missratener Schulstrukturpolitik und von den Anstrengungen der Lehrer’inn’en und Helfer von Fördereinrichtungen hören. Und von der Ungeduld gegenüber einem „Weiter so“ der akribischen Datensammlungen, die immer wieder die tiefer reichende Spaltung feststellen, ohne dass politische und schulpolitische Richtungsänderungen folgen. Veranstalter ist die Arbeitsgemeinschaft Soziales Hamburg.
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Essener Tafel – ein Szenario der Verrücktheiten

Die Maßstäbe in der Äußerung von Klagen und Vorwürfen an die Essener Tafel scheinen bar jeden Verstandes zu sein. Sie sind aber ein Beispiel, wie mit Hilfe von Medien und Politiker’inne’n nach monate-, auch jahrelanger Vorurteilsbildung die Schuld bei den ärmsten der Armen festgemacht wird. Tatsächlich wird jedoch eine systematische Bereicherungspolitik der Reichen betrieben. Und die stellen sich nun hin und kritisieren die Armenspeisung, Tafeln genannt.

Erstens. Warum gibt es überhaupt die „Tafeln“? Sie sind das Ergebnis einer gezielten Verarmungspoltik (Kanzler Schröder sinngemäß und voller Stolz: Wir haben den größten Niedriglohnmarkt geschaffen). Sie wird angewendet auf Deutsche und auf Zuwanderer. Sie wird verschleiert: Wir leben gut und gern in diesem Land.

Zweitens. Die Tafeln stehen in Gefahr, in ihrem Wohltätigkeitsdenken und in ihrem bürgerschaftlichen Engagement die Entpolitisierung voranzutreiben. Das ist die Kehrseite der Ehrenamtlichkeit. Sie können leicht die nützlichen Idioten einer Politik der Unterfinanzierung von Sozialstaatlichkeit werden.

Drittens. In ihrer Entpolitisiertheit kann es den wohltätigen Menschen leicht passieren, dass sie nicht die strukturellen Voraussetzungen ihres Handelns sehen und auf die Oberfläche, auf die dargereichten Schuldigen und Lösungen, verfallen: Die Ausländer sind’s und müssen raus.

Viertens. Schafft ein Regelwerk. Wer sich nicht an die Regeln hält, erhält einen Hinweis, wer wiederholt gegen die Regeln verstößt, wird ausgeschlossen. Wenn es gut ist, gibt es eine Belohnung oder ein Fest. So ähnlich machen das nicht wenige Schulen.

Fünftens. Macht euch stark für eine gerechte Sozialpolitik, für Umfairteilung.

Passend dazu

 

Bündnis für humane Bildung im Kultusministerium

Der Vorrang des Pädagogischen bleibt vage

Vor einigen Monaten hatte ich hier einen Link zu einem Aufruf des „Bündnisses für humane Bildung“ gegen den Digitalpakt gesetzt. Inzwischen hat es ein Gespräch des Bündnisses mit dem baden-württembergischen Kultusministerium gegeben. Hier kann man das Ergebnis nachlesen.