Schulpsychologie in Schulbehörden

Schulpsychologie als Impulsgeberin und Fremdkörper

Die Rolle der Schulpsychologie im Schulgeschehen ist umstritten. Traditionelle Verständnisse geraten ins Wanken, neue Vorstellungen entwickeln sich. Für welche Aufgabenfelder kommt die Schulpsychologie in Frage? Diese Frage treibt auch Volker Bohn, Schulpsychologe in Niedersachsen, in seinem Aufsatz »Schulpsychologie in Schulbehörden« um.
»Im Bereich Prävention ist Schulpsychologie also zunehmend „überflüssig“ geworden« schreibt der Kollege in seinem Aufsatz – ein Satz, der hellhörig macht. Und dazu auffordert, den ganzen Artikel zu lesen.
Der Autor wirft einen Blick auf sich wandelnde Erwartungen an Schulpsychologie, beginnend mit ihrer »überraschenden« Hereinnahme in den schulbehördlichen Bestand bis hin zu Überlegungen, wo ein allseits anerkanntes Tätigkeitsfeld für sie liegen könnte. Dabei macht Volker Bohn auch vor denkbaren Spezialisierungen der Schulpsychologie nicht halt.

Schulpsychologie in Schulbehörden

von Volker Bohn, Niedersachsen

Seitdem und solange das Schulwesen in (national-)staatlicher („hoheitlicher“) Verantwortung/Zuständigkeit verortet ist, gibt es entsprechende (behördliche) Strukturen, die sich im Rahmen der gesellschaftlichen Entwicklungen zwar verändern/anpassen, aber dies nach wie vor im Rahmen dieser staatlichen Zuständigkeit tun zu dem Zweck, Bildungssysteme und Bildungsgänge zu organisieren und zu effektivieren. Weiterlesen „Schulpsychologie in Schulbehörden“

Wem gehört die Beratung?

Schulpsychologie und Beratung für Schule befinden sich in einem ständigen Prozess der Positionsbestimmung, sowohl nach innen und in Bezug auf die beteiligten Professionen, als auch in Hinblick auf das schulische und behördliche, wie auch gesellschaftliche Umfeld. Dazu finden sich hier einige Überlegungen (leicht überarbeite Fassung v. 24.3.2011): Wem gehört die Beratung?

Schulreform pervertiert oder Desinformation der Medien?

Am 2.2. und am 3.2.2011 ließen Hamburger Abendblatt und Morgenpost (Meldung Morgenpost) die Alarmglocken klingeln. Was da zu lesen war, konnte einen in Scham, Wut und Empörung versetzen.
Scham, weil man sich nach den ersten Meldungen in all seinen Ambitionen, Lernen und Persönlichkeitsentwicklung zu ermöglichen, hintergangen sah. Wie kann man Teil einer Behörde sein, die so gnadenlos die Grundlagen der Pädagogik und Menschenführung missachtet und sie durchKürzungswahn ersetzt? Und wie können Menschen in der Behörde, die in ihrem früheren Leben zu einem Teil Lehrer waren, sich zu solcher Desavouierung von Lehren, Lernen und Entwicklung hinreißen lassen?
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Wie fehlender Gesellschaftsbezug die Inklusion beschädigt und sie ins Gegenteil verdreht

Anmerkungen zu einem Vortrag von Birgit Herz

»Eine öffentliche Debatte über „Armut und Inklusion“ in schulischen und außerschulischen Institutionen von Bildung und Erziehung ist derzeit eher eine Leerstelle, obwohl sich hier das ganze Dilemma einer verfehlten Bildungs- und Sozialpolitik offenbart,« heißt es in einem pointierendem Artikel der Professorin Birgit Herz. Inklusionsrhetorik statt Inklusion könnte man sagen. Sie zeigt, wie der Mainstream der deutschen Erziehungswissenschaft Inklusionskonzepte von Autoren des Auslands anpasst, ohne ein Wort darüber zu verlieren, dass die Konzepte in ihrer gesellschaftsbewussten Substanz verändert wurden. Explizit gesellschaftskritische Ansätze werden demnach für eine naive inklusionspädagogische Strategie gemodelt. Weiterlesen „Wie fehlender Gesellschaftsbezug die Inklusion beschädigt und sie ins Gegenteil verdreht“

Multiprofessionalität braucht Teamentwicklung

Multiprofessionalität gilt in vielen Aufgabenfeldern als Lösungsweg aus Verkrustungen und überkommenen ständischen Eitelkeiten. Multiprofessionalität soll eine neue Produktivkraft sein. Sie ist Ausweis von Modernität und Fortschritt. Wie auch beim Thema der Interdisziplinarität lohnt es sich jedoch, genauer hinzuschauen. Welche Praxis entwickelt sich im Gewand der Modernität? Schafft sie neue Zugänge zu Lösungen und Entwicklung der Fachlichkeit? Oder ist sie im Machtkampf der Professionen und Personen ein Mittel, um Herrschaft und Einfluss zu sichern, möglicherweise entfernt davon, was Sach- und Fachlichkeit erforderten? Deshalb hier einige Überlegungen zur Multiprofessionalität.
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Einbindungen der Schulpsychologie in Strukturen der Organisation dürfen ihre Potenziale nicht konterkarieren

Die Schulpsychologie hat die Aufgabe, die einzelnen Menschen, die in und für die Schule arbeiten, darin zu unterstützen, die sehr individuellen Entwicklungsressourcen zu erkennen und zu erweitern. Damit arbeitet sie an dem Ziel mit, eine neue Kultur des Lehrens und Lernens zu entwickeln. Diese muss die Persönlichkeit, ihre sehr spezifischen Ressourcen und Ziele in Rechnung stellen. Mit anderen Worten heißt das: Schule muss aus ihrer jahrhundertealten Tradition als bürokratischer Veranstaltung heraustreten. Wenn das gelingen soll, Weiterlesen „Einbindungen der Schulpsychologie in Strukturen der Organisation dürfen ihre Potenziale nicht konterkarieren“

Schulpsychologie – wohin geht sie?

Die schulpsychologische Landschaft ist in Bewegung. Mancherorts gibt es Einstellungswellen, wie in Nordrhein-Westfallen und Baden-Württemberg. Anderenorts ist die Schulpsychologie »rasiert« worden, oder sie ist einem Umorganisierungsprozess »von oben« unterworfen, wie in Niedersachsen. Und wiederum an anderer Stelle mag der Ausbaustand schlecht sein, wie eh und je.
Uneinheitlich wie Ausbaustand und Konzepte sind Arbeits- und Organisationsweisen der Schulpsychologie vor Ort. Die Dichte des Austausches zwischen den Kolleginnen und Kollegen ist unterschiedlich. Die einen scheinen zufrieden, haben sich eingerichtet, sie haben keinen erkennbaren Bedarf an Austausch über inhaltliche Konzepte, organisationelle Einbindungen und Strukturen. Anderen geht es genau anders: Sie wünschen sich eine Debatte über all diese Fragen. Sie befürchten gar, die Schulpsychologie könnte auf lange Sicht in ihrer Substanz gefährdet sein, wenn diese Debatte nicht geführt wird.

Potenziale der Individuen erkennen und neue Lernkultur befördern Weiterlesen „Schulpsychologie – wohin geht sie?“

Stiftungen – Die geheimen Bildungsmacher

»Allen Stiftern ist dabei gemein, dass sie ihr Geld nach eigenem Gusto einsetzen können, sei es für ein Sprachförderprogramm oder ein Beratungsangebot für Hochbegabte. Sie müssen sich keinen Wahlen stellen und keine Rechenschaft ablegen. Und genau da liegt das Problem, meint Wilfried Lohre. Er war lange Projektleiter bei der Bertelsmann-Stiftung und weiß: „Da wird gesagt, das Programm läuft, wir möchten es nun an die Kommune weitergeben. Doch die war an der Entstehung nicht beteiligt und interessiert sich vielleicht gar nicht dafür.“ Das Problem ist immerhin erkannt. Städte und Stifter besser zu vernetzen, ist nun Grundidee der gerade vom Bundesbildungsministerium geförderten Initiative „Lernen vor Ort“. Lohre ist ihr Geschäftsführer. Das Programm soll ein Bildungsmanagement unter der Beteiligung von Stiftungen und Gemeinden in Gang setzen. Lohre: „Die vielen bunten Blumen, die in einer Gemeinde blühen, sollen zu einem Strauß zusammengebunden werden.“«

Wilfried Lohre ging vor Jahren aus dem nordrhein-westfälischen Schulministerium zur Bertelsmann-Stiftung. Von dort aus versuchte er Schulaufsichten, Lehrern und Schulpsychologen den Segen der Bertelsmann-Stiftung nahe zu bringen. Viele Kolleginnen und Kollegen glaubten den wohl gesetzten Worten, so als könne eine Stiftung der Sparpolitik der Regierungen etwas entgegensetzen. Dass mit Hilfe der Bertelsmann-Stiftung die Schulen und Unterstützungssysteme wie das Landesinstitut heruntergeschrieben wurden, um sie später mit befristeten Ressourcen in neuer Form zu retten und sie dann sich selbst zu überlassen, wollten die meisten nicht sehen.

Nun scheint auch Wilfried Lohre  ein wenig ernüchtert. Was zerstückelt in der Schullandschaft herumliegt, nach Geschmack der einen oder anderen Stiftung aufgepäppelt wird oder liegengelassen bleibt, bis sie sich einem anderen Objekt der Bildungsbeflissenheit zuwendet, will er nun mit einer neuen Stiftung zusammenbringen. Um eine PR gerechte Sprache war er damals wie heute nicht verlegen. Wir wissen ja, wie es mit den blühenden Landschaften ging. Geheime Bildungsmacher (unten auf der Seite)

Etabliert und renitent – in Stuttgart

Wäre das nicht auch eine Strategie für eine andere Schulpolitik?

Es sind in Stuttgart die Etablierten, die renitent auf die Straße gehen. Sie haben Augenmaß und sie sind Zukunftsfreunde. Aber natürlich müssen sie sich von den umsichtigen Fortschrittsfreunden der Regierung und der Bahn und eines Teils der Medien (hier haben sich schon Stimmungen verschoben) als unmodern, rückwärtsgewandt und kleinkariert bezeichnen lassen. Wenn das etablierte Bürgertum seine Lebensgrundlagen gefährdet sieht – und das kann sehr subjektiv getönt sein – ist es zu überraschenden Aktionen in der Lage. Eine Region steht auf, könnte man sagen. Wie vor 24 Jahren das Ruhrgebiet, als drohte, dass es »geschlossen« wurde. Ist es nicht auf Dauer so, dass die ungelösten Bildungsfragen, das Abwehren von Reformen, die Gewährung von Bildungskrümeln, statt Bildungsteilhabe auf der Grundlage eines selbstverständlichen Menschenrechts unsere Zukunft bedrohen?

In Bezug auf Schule glauben viele Etablierte, mit Abschottung und Abgrenzung, die Zukunft und die eigene Zukunft retten zu können. Das ist jedoch mehr als zweifelhaft. Denn Spaltung der Gesellschaft frisst irgendwann auch die Grundlagen des Bürgertums an. Wie Kostenexplosionen, unberechenbares Grundwasser und großtechnologische Zukunftsvisionen. Vielleicht reift diese Einsicht noch. Stuttgart 21 zeigt, dass Bewegung möglich ist.

Offener Brief zur Inklusion von Brigitte Schumann an die EKD-Synode

Klare Worte

hat Brigitte Schuman in ihrem Offenen Brief gefunden. Unter anderem wird deutlich, dass Inklusion als gesellschaftliche Aufgabe zu verstehen ist. Sie in das schulische Verwaltungshandeln und in den fachinternen Streit um Stunden und Ressourcen, also in den alltäglichen Kampf um Bildungskrümel zu übergeben, heißt, sie in ihrer menschlichen und gesellschaftlichen Bedeutung aufzugeben.

Offener Brief von Brigitte Schumann